Verlegerin sieht Leseschwäche bei Kindern als Gefahr für Demokratie

Verlegerin sieht Leseschwäche bei Kindern als Gefahr für Demokratie - (Foto: Kinderbücher (Archiv))
Die Chefin des Medienhauses Oetinger, Julia Bielenberg, warnt vor den Folgen eklatanter Leseschwächen bei Kindern. "Wir machen inzwischen viele Bücher, die bewusst aus einfachen Sätzen bestehen", sagte Bielenberg dem Wirtschaftsmagazin Capital. Deutschlandweit könne jedes vierte Kind nach der vierten Klasse nicht mehr sinnentnehmend lesen. "Selbst wenn sie die Buchstaben irgendwie zusammenbringen, verstehen Sie den Inhalt nicht. Das ist unglaublich erschreckend", so die Verlegerin.
"Das hat riesige wirtschaftliche Auswirkungen, es ist auch ein erhebliches Problem für uns als Gesellschaft", so Bielenberg. Das Problem werde in der Politik viel zu wenig gesehen. "Wer nicht lesen und nicht komplex denken kann, wird sich die einfachen Antworten suchen. Die sind im Zweifel am Rande unseres politischen Spektrums. Da können sie so viel über die Brandmauer reden, wie sie wollen." Die Verlagschefin fordert eine sofortige Bildungsreform sowie frühkindliche Sprachförderung ab zwei Jahren und bringt einen Elternführerschein ins Gespräch. "Wir haben kein Rohöl. Wir haben nur die Bildung unserer Kinder, das ist unser Kapital, und wir vernachlässigen es sträflichst", sagte Bielenberg. Verschwinden würden gedruckte Bücher trotz der Lesekrise nicht. "Das Buch wird es immer geben", ist Bielenberg überzeugt. Schon jetzt aber gebe es eine Reduzierung an Titeln und Auflagen. Dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) begegnet die Verlegerin offen, zieht aber klare Grenzen: "Wir machen vieles mit KI und sehen das auch als große Chance, Zeit einzusparen, um mehr Raum für kreative Prozesse zu haben. Texte dürfen bei uns aber nicht von einer KI generiert werden. Wir haben das vertraglich ausgeschlossen." Viele Bücher würden inzwischen mit KI generiert und über Amazon vertrieben. "Da ist viel Schrott auf dem Markt. Dagegen muss man sich absetzen. Das tun wir, indem wir keine generative KI einsetzen. Ich glaube, das ist ein großer Wert." Bielenberg ist die Enkelin des Verlagsgründers Friedrich Oetinger. Er hatte 1949 in Stockholm Astrid Lindgren kennengelernt und Pipi Langstrumpf noch im selben Jahr auf Deutsch herausgebracht, nachdem andere deutsche Verlage abgelehnt hatten.

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