Ukrainischer Drohnenkommandeur fordert Transformation der Bundeswehr

Ukrainischer Drohnenkommandeur fordert Transformation der Bundeswehr - (Foto: Drohnen (Archiv))
Der ukrainische Drohnenkommandeur Robert Browdi fordert eine bessere Integration von Drohnen und Abwehrmaßnahmen in die Bundeswehr. Die Drohne werde zur Plage des Jahrtausends, sagte Browdi dem Tagesspiegel. Nicht nur Armeen, sondern auch Terroristen oder andere böswillige Akteure könnten Drohnen zur hybriden Kriegsführung oder für Anschläge einsetzen. Die Technik werde der Menschheit künftig sehr viel Ärger bereiten, sagte der Major der ukrainischen Streitkräfte voraus.
Im Bundestag müsse das Bewusstsein einkehren, dass die Transformation der Bundeswehr durch Drohnen "unvermeidbar" sei. Drohnen könnten nicht an eine Armee angeschlossen werden, sondern die gesamte Armee müsse sich auf die Drohnentechnologie einstellen. Browdis Einheiten kämpfen unter anderem mit Mittel- und Langstreckendrohnen gegen Russland und treffen Ölraffinerien und Lager tief in Russland. Er argumentiert aus seiner eigenen Erfahrung: Als er sich vor viereinhalb Jahren der ukrainischen Armee anschloss, habe er mit einer einfachen Kalaschnikow gekämpft. Die Drohne sei damals irrelevant gewesen, jetzt sei sie die Hauptwaffe im Krieg und dominiere ihn. Browdi glaubt, die ukrainische Armee hätte 2022 den Einmarsch Russlands aufhalten können, hätte sie bereits über Langstreckendrohnen von heute verfügt. Sie hätte die Russen bereits in einer Entfernung von 150 Kilometern aufgespürt und ihre Zufahrtswege mit Drohnen vermint. Genauso könne ein etwaiger russischer Angriff auf das Baltikum mit Langstreckendrohnen besser abgewehrt werden. Browdi kündigte an, alle Lager des russischen Online-Händlers "Wildberries" angreifen zu wollen. "Wildberries wird künftig nicht mehr in Russland arbeiten können", sagte Browdi dem Tagesspiegel. Bisher hätten seine Einheiten mithilfe von Langstreckendrohnen 24 Lager des "russischen Amazons" getroffen. Er begründete die Angriffe auf den Online-Händler damit, dass dieser militärische Ausrüstung für russische Soldaten verkaufe. "Als Armeeversorger sind sie ein legitimes Ziel", sagte Browdi. Die Angriffe seiner Einheiten im russischen Hinterland würden aber auch dazu führen, dass der russischen Bevölkerung "das Sicherheitsgefühl abhanden" käme. "Unsere Angriffe schränken den Komfort ein, genauso wie das Benzin an russischen Tankstellen. Menschen können nicht mehr ohne Konsum oder ohne ihr Auto", sagte er. Dass die Menschen in Russland den Krieg stärker spüren als noch im Vorjahr, führe dazu, dass viele den Krieg hinterfragen würden. Zugleich intensiviert Russland seine Luftangriffe auf ukrainische Infrastruktur und zivile Ziele. Dabei nutzt Moskau aus, dass der Ukraine momentan US-Abwehrraketen vom Typ Patriot fehlen, um ballistische Raketen abzufangen. Browdi sagte, die Abschussrampen für ballistische Raketen in Russland anzugreifen, sei technisch komplex. Dafür benötige die ukrainische Armee eine Internetverbindung bis nach Russland hinein. "Wir versuchen, das US-amerikanische Unternehmen Starlink - ausschließlich zum Schutz unserer Zivilbevölkerung - davon zu überzeugen, uns in einem begrenzten Gebiet Russlands nahe der ukrainischen Grenze einen Internetzugang einzurichten. Doch bisher ohne Erfolg", sagte Browdi.

Anzeigen

Für Pressemitteilungen - Werbung - Veranstaltungen - Künstler - Models