Der Fahrgastverband Pro Bahn rät Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU), die Pünktlichkeit von Zügen strenger zu definieren und sich neue Berater zu suchen.
Bilger solle die Gelegenheit für eine "ehrliche Pünktlichkeitsbewertung" nutzen, sagte der Pro-Bahn-Bundesvorsitzende Lukas Iffländer dem Tagesspiegel. Verspätungen sollten ab drei Minuten zählen wie in der Schweiz statt ab sechs Minuten, und ausgefallene Züge sollten als verspätet gelten.
Iffländer sagte, der Minister werde sich sehr anstrengen müssen, die Boni "richtig zu gestalten". Bisher hätten die Bahnmanager das Ministerium "immer ausgetrickst".
Da ausgefallene Züge nicht als unpünktlich gälten, seien einst so viele Halte ausgelassen worden, bis der Zug auf seiner Rückfahrt wieder pünktlich gewesen sei. Der damalige Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla habe "dicke Boni" kassiert, als schon klar war, dass das Netz die Generalsanierungen braucht. Daher sollte der Minister sich bei der Gestaltung von denjenigen beraten lassen, die nicht schon bisher die Bonusgestaltung gemacht und entsprechende Lücken hinterlassen hätten.
Ausschließlich die Pünktlichkeit sollte aber nicht bewertet werden, sagte Iffländer, da man auch diese austricksen könne. So habe die ehemalige Bahnvorständin Daniela Gerd tom Markotten verkündet, "dass man plane, notwendige Baustellen nicht durchzuführen, um die Pünktlichkeit kurzfristig zu erhöhen. Das konnte zum Glück verhindert werden."
Generell müsse das Bundesverkehrsministerium mehr auf die Branche und Verbände hören, sagte der Pro-Bahn-Chef. Beim Dialog zur Infrastrukturgesellschaft InfraGO habe man mehrere Vorschläge gemacht, wie die Boni zu gestalten seien, sodass sie nicht ausgetrickst werden können. Diese seien aber nicht umgesetzt worden.
Pro Bahn fordert strengere Pünktlichkeitsregeln für Bahn-Boni
über dts Nachrichtenagentur
10. August 2026 - 05:00 Uhr
Von Peter Heidenreich - Deutschland