Öffentliches Finanzierungsdefizit steigt weiter an

Öffentliches Finanzierungsdefizit steigt weiter an - (Foto: Schuldenuhr am 30.09.2026)
Der Öffentliche Gesamthaushalt hat im 1. Halbjahr 2026 rund zwei Prozent mehr eingenommen und rund sechs Prozent mehr ausgegeben als im 1. Halbjahr 2025: Einnahmen von 1.011,8 Milliarden Euro standen Ausgaben von 1.110,6 Milliarden Euro gegenüber.

Damit schlossen die Kern- und Extrahaushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung das 1. Halbjahr 2026 mit einem Finanzierungsdefizit von 98,8 Milliarden Euro ab. Im 1. Halbjahr 2025 hatte das Defizit 58,5 Milliarden Euro betragen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag nach Ergebnissen der vierteljährlichen Kassenstatistik weiter mitteilte, waren in der ersten Jahreshälfte 2026 alle Ebenen des Öffentlichen Gesamthaushalts defizitär. Der Bund hatte den mit Abstand größten Anteil am Gesamtdefizit. Das Defizit der Gemeinden und Gemeindeverbände blieb auf dem Rekordniveau des Vorjahreszeitraums.

Die beiden Haupteinnahmequellen - Steuern und Einnahmen aus wirtschaftlicher Tätigkeit - entwickelten sich im 1. Halbjahr 2026 mit +2,3 Prozent beziehungsweise +1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ähnlich wie die Einnahmen insgesamt. Dahinter steht beim Bund jedoch ein Rückgang der Steuereinnahmen um 3,1 Prozent. Darin spiegeln sich zwei Entlastungsmaßnahmen: erstens die Senkung der Stromsteuer für das Produzierende Gewerbe und die Landwirtschaft seit dem 1. Januar 2026 und zweitens die Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe ("Tankrabatt") im Mai und Juni 2026. Durch diese Maßnahmen sowie einen Einbruch der Tabaksteuereinnahmen nach der Anhebung der Tabaksteuer zum 1. Januar 2026 nahm der Bund im Vergleich zum Vorjahreszeitraum etwa 3,3 Milliarden Euro weniger ein. Die Steuereinnahmen der Länder und Gemeinden, obwohl nicht von diesen Sondereffekten betroffen, verharrten mit +1,1 Prozent und +0,9 Prozent nahezu auf Vorjahresniveau. Einzig die Sozialversicherung verzeichnete deutlich steigende Beitragseinnahmen (+4,6 Prozent).

Auf der Ausgabenseite drückten die anziehenden Zinskosten im 1. Halbjahr 2026 auf die Haushalte von Bund, Ländern und Gemeinden. Für den Öffentlichen Gesamthaushalt ergibt sich hier gegenüber dem 1. Halbjahr 2025 ein Ausgabenanstieg um 21,2 Prozent auf 31,2 Milliarden Euro.

Die Sachinvestitionen (Ausgaben für Bau und den Erwerb von Sachvermögen) stagnierten mit 43,1 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau (0,0 Prozent). Dabei stiegen die Sachinvestitionen beim Bund um 4,6 Prozent und bei den Ländern um 3,1 Prozent, wohingegen die Gemeinden einen Rückgang um 4,5 Prozent verzeichneten.

Die Ausgaben des Bundes stiegen im 1. Halbjahr 2026 um 9,8 Prozent gegenüber dem 1. Halbjahr 2025 auf 325,5 Milliarden Euro, während sich die Einnahmen um 5,0 Prozent auf 253,1 Milliarden Euro verringerten. Stärker als im 1. Halbjahr 2026 waren die Einnahmen des Bundes im Vorjahresvergleich zuletzt im von der Coronakrise geprägten 1. Halbjahr 2020 (-6,2 Prozent) gesunken. Aus den höheren Ausgaben und geringeren Einnahmen ergab sich für den Bund im 1. Halbjahr 2026 ein Finanzierungsdefizit von 72,3 Milliarden Euro. Damit hat sich das Defizit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (1. Halbjahr 2025: 30,0 Milliarden Euro) mehr als verdoppelt.

Bei den Ländern ergab sich mit Einnahmen von 284,3 Milliarden Euro (+2,7 Prozent) bei Ausgaben von 290,6 Milliarden Euro (+4,1 Prozent) ein Defizit von 6,3 Milliarden Euro (1. Halbjahr 2025: 2,4 Milliarden Euro). Bayern, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen schlossen das 1. Halbjahr 2026 jedoch mit Überschüssen ab.

Bei den Gemeinden und Gemeindeverbänden wuchsen die Einnahmen (+3,0 Prozent auf 184,0 Milliarden Euro) und Ausgaben (+2,7 Prozent auf 204,1 Milliarden Euro) nahezu gleichmäßig. Dadurch verharrte das kommunale Finanzierungsdefizit mit 20,1 Milliarden Euro auf dem Rekordniveau des 1. Halbjahrs 2025, als das Defizit den höchsten Wert für eine erste Jahreshälfte seit der deutschen Vereinigung 1990 erreicht hatte.

Für die Sozialversicherung ergab sich ein fast ausgeglichener Finanzierungssaldo (-68 Millionen Euro). Die Einnahmen (491,3 Milliarden Euro) stiegen mit +8,4 Prozent etwas stärker als die Ausgaben (491,4 Milliarden Euro) mit +6,9 Prozent. In den Einnahmen enthalten sind Darlehen des Bundes über insgesamt 10,2 Milliarden Euro. Sie stützen die Bundesagentur für Arbeit (6,3 Milliarden Euro), die Pflegeversicherung (1,6 Milliarden Euro) und den zur Krankenversicherung zählenden Gesundheitsfonds (2,3 Milliarden Euro). Entsprechend verzeichneten die Kranken- und die Arbeitslosenversicherung im 1. Halbjahr 2026 Überschüsse (+2,7 Milliarden Euro beziehungsweise +1,7 Milliarden Euro), die Renten- und die Pflegeversicherung dagegen Defizite (-4,7 Milliarden Euro beziehungsweise -0,7 Milliarden Euro), so die Statistiker.


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