Die Gelder aus dem kreditfinanzierten "Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität" kommen aktuell kaum bei den Ingenieur- und Architekturbüros an. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage im Auftrag des Verbands der Beratenden Ingenieure (VBI), der Bundesingenieur- und Bundesarchitektenkammer sowie des Ausschusses der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung, über die der "Spiegel" berichtet. An der Befragung nahmen bundesweit rund 4.900 Büros teil.
Demnach rechnete die Hälfte der Befragten damit, dass der Auftragsbestand in den kommenden sechs Monaten gleich bleibt, 30 Prozent gingen sogar von einem Rückgang aus.
"Bislang kommt das Sondervermögen in den Ingenieurbüros nicht an. So wird die Infrastruktur in Deutschland in den kommenden drei Jahren nicht spürbar besser", sagte VBI-Präsident Jörg Thiele.
Je rund ein Fünftel der befragten Ingenieure und Architekten bezeichneten ihre wirtschaftliche Lage als schlecht oder eher schlecht. Fünf Prozent der Umfrageteilnehmer befürchteten, ihren Betrieb in den kommenden Monaten einstellen zu müssen, weitere 14 Prozent sahen ihre Zukunft als ungewiss. Büros mit weniger als zehn Mitarbeitern schätzten die eigenen Aussichten besonders kritisch ein.
Der Auftragsbestand der befragten Architekturbüros fiel 2025 gegenüber dem Vorjahr deutlich, während der von Ingenieurbüros stabil blieb. Das lag den Verbänden zufolge auch daran, dass Architekten mehr von privaten Bauherren abhängig sind. Die reduzierten oder kündigten Aufträge häufiger als öffentliche Träger.
Zur Sanierung der vielerorts maroden Infrastruktur in Deutschland und für den Klimaschutz haben CDU/CSU, SPD und Grüne die Verfassung geändert, sodass die Regierungskoalition ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen einrichten konnte, um zusätzliche Investitionen zu ermöglichen. Wirtschaftsinstituten zufolge werden dessen Mittel allerdings nicht immer zusätzlich zu bereits geplanten Ausgaben investiert. Zum Teil wurden demnach auch Investitionen aus dem Kernhaushalt ins Sondervermögen verschoben.
"Wir fordern eine echte Zusätzlichkeit der Mittel, damit endlich mehr Schienen und Straßen saniert werden können", so Thiele. "Dafür müssen anstelle des Verschiebebahnhofs relevante Kürzungen im Kernhaushalt erfolgen."
Architekten und Ingenieure profitieren den Verbänden zufolge bisher auch nicht davon, dass die Regierung Planungs- und Genehmigungsverfahren vereinfacht hat. Laut der Umfrage ist die Bürokratie ihr größtes Problem (41 Prozent), dicht gefolgt vom wirtschaftlichen Abschwung (40 Prozent). Auch gestörte Projektabläufe (36 Prozent), unzureichende Vergütung (33 Prozent) und wachsende Materialkosten (29 Prozent) machten vielen Planern zu schaffen.
Investitionsmilliarden kommen bei Planern noch nicht an
über dts Nachrichtenagentur
20. August 2026 - 14:32 Uhr
Von Peter Heidenreich - Deutschland