15 Nationen, sechs Tage Fußball und eine Weltmeisterschaft mit besonderer Botschaft: Vom 13. bis 18. September wird Frankfurt am Main zum Gastgeber des Transplant Football World Cup (TFWC) presented by Sanofi. Rund 250 organtransplantierte Fußballerinnen und Fußballer aus aller Welt spielen um die WM-Titel – und zeigen zugleich eindrucksvoll, welche neuen Perspektiven eine Transplantation eröffnen kann.
Rund 340 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden zur Weltmeisterschaft in der Mainmetropole erwartet. Neben den etwa 250 Athletinnen und Athleten reisen rund 90 Supporter mit ihren Teams nach Frankfurt. Gemeinsam machen sie den Transplant Football World Cup zu weit mehr als einem Fußballturnier: zu einer internationalen Begegnung von Menschen, die der Sport und die Erfahrung einer Organtransplantation miteinander verbinden. Gespielt wird im 7-gegen-7-Format nach einem internationalen Regelwerk, das sich an den Regularien des FIFA World Cup orientiert. Deutschland empfängt die internationale Konkurrenz als amtierender Sieger des Fußballturniers der World Transplant Games 2025.
Internationale Bühne für den Transplantationssport
Der Transplant Football World Cup wird von der World Transplant Games Federation (WTGF) nach der Premiere 2024 im italienischen Cervia nun zum zweiten Mal ausgetragen. Die Präsidentin der WTGF, Liz Schick, blickt mit großer Vorfreude auf die erste Austragung in Deutschland: „Deutschland und besonders Frankfurt verfügt über eine außergewöhnliche Fußballkultur. Wir möchten, dass sich der TFWC neben unseren Sommer- und Winter-World Transplant Games zu einer festen Größe im internationalen Transplantationssport entwickelt. Unser Ziel ist es nicht einfach nur, ein größeres Fußballturnier zu veranstalten. Wir wollen etwas schaffen, das nachhaltige Wirkung zeigt. Wir möchten, dass junge Transplantatempfänger, die diesen Spielern zusehen, Perspektiven für ihre eigene Zukunft erkennen."
Nationaler Gastgeber des TFWC ist TransDia Sport Deutschland e.V., Deutschlands größte Sportgemeinschaft für Transplantierte und Dialysepatienten. Für Gudrun Manuwald-Seemüller, 1. Vorsitzende von TransDia Sport Deutschland e.V., soll die Heim-WM den sportlichen Wettbewerb mit gesellschaftlicher Aufklärung verbinden. „Wir freuen uns auf 15 Nationen aus aller Welt. Persönlich freue ich mich besonders, dass wir erstmals auch Frauen-Mannschaften dabei haben. Neben spannenden Spielen haben wir das Ziel, das Bewusstsein für eine Entscheidung für oder gegen Organspende zu schärfen und die klare Botschaft: 'Organspende rettet Menschenleben'."
Dass beim TFWC 2026 trotz seiner besonderen Geschichte der sportliche Wettbewerb im Mittelpunkt steht, unterstreicht auch David Odonkor. Der ehemalige deutsche Fußball-Nationalspieler und Deutsche Meister von 2002 begleitet die Weltmeisterschaft als Botschafter.
„Gerade hier bei uns in Deutschland ist es extrem wichtig, dass wir offen über Organspende sprechen und uns klar machen, wie lang die Wartelisten aktuell sind. Als ehemaliger Profi bin ich gerne dabei, um die Mädels und Jungs zu unterstützen und ihre Botschaft weiterzutragen. Am Ende geht es einfach darum, so viele Menschen wie möglich zu erreichen, damit jede und jeder eine persönliche Entscheidung für sich trifft."
Organspende: Positive Entwicklung, aber weiterhin großer Bedarf
Hinter den sportlichen Geschichten steht ein gesellschaftliches Thema, das von großer Bedeutung ist. Dr. Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), ordnet die aktuelle Situation der Organspende ein: „Die derzeit steigende Zahl der Organspenden ist ermutigend. Gleichzeitig blicken wir mit großer Sorge auf die rund 8.000 Menschen, die hierzulande weiterhin auf ein mitunter lebensrettendes Organ warten. Auch der bislang moderate Anstieg der Spenderzahlen reicht bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken."
Auf eine Million Einwohner gerechnet lag Deutschland bei 11,8 Organspendern im Jahr 2025. Hessen erreichte einen Wert von rund 10 und lag damit leicht unter dem bundesweiten Durchschnitt. Zum Vergleich: In Spanien lag der Wert bei rund 48, im Nachbarland Österreich bei 25. In beiden Ländern gilt – anders als in Deutschland – die Widerspruchsregelung. Das bedeutet: Nach dem Tod gilt grundsätzlich als Spender, wer einer Organspende zu Lebzeiten nicht aktiv widersprochen hat. In den vergangenen Jahren war diese Möglichkeit immer wieder Thema im Bundestag. „Wir befürworten die Einführung einer Widerspruchsregelung in Deutschland. Die aktuell im Bundestag eingebrachte gesetzliche Neuregelung fördert die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema Organspende", so der Mediziner.
Vom transplantierten Organ ins Nationaltrikot
Was diese Zahlen für einzelne Menschen bedeuten können, zeigen Karen Frauenberger und Lars Weddige. Beide leben mit einem transplantierten Organ und gehören zu den deutschen Nationalteams, die bei der Heim-WM in Frankfurt antreten. Karen Frauenberger aus Berlin lebte zwischenzeitlich sogar in Wien, um dort vor rund sechseinhalb Jahren schneller eine neue Niere transplantiert zu bekommen. „Dadurch konnte ich von der dort bestehenden Widerspruchslösung profitieren und habe nur sechs Jahre an der Dialyse verbracht."
Lars Weddige ist seit 2019 lebertransplantiert und in Frankfurt zu Hause. Für ihn wird die Weltmeisterschaft damit auch ganz persönlich zu einem Heimspiel: „Wir wollen als Team Deutschland bestmöglich vertreten. Für mich ist es immer noch ein Wunder, dass das medizinisch überhaupt möglich ist." Erstmals gehen auch Frauen-Mannschaften beim Transplant Football World Cup an den Start. Karen Frauenberger und ihre Teamkolleginnen wollen diese Chance nutzen, um den Frauenfußball innerhalb des Transplantiertensports weiterzuentwickeln: „Wir Mädels wollen den Grundstein für Frauenfußball im Transplantiertensport legen. Drei von uns sind Fußballerinnen, alle anderen haben andere Stammsportarten. Aber wir waren im Trainingslager und üben fleißig, um das Maximale herauszuholen."
Sechs Tage Fußball, Begegnung und Aufklärung
Insgesamt spielen 15 Männermannschaften und mehrere Frauen-Teams aus aller Welt um die Weltmeistertitel. Bei den Männern geht Chile als Titelverteidiger ins Turnier. Ausgetragen werden die Spiele beim FSV Frankfurt. Eröffnet wird der Transplant Football World Cup presented by Sanofi mit dem „Walk of Nations", bei dem die teilnehmenden Nationen gemeinsam durch die Frankfurter Innenstadt ziehen. In den darauffolgenden Tagen stehen Vorrunden-, K.-o.- und Finalspiele auf dem Programm. Auch abseits des Platzes setzt die WM auf internationale Begegnungen: Bei Programmpunkten wie dem Kulturabend kommen Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt zusammen und feiern gemeinsam das Leben und die Gemeinschaft des Transplantationssports.
Unterstützt wird die Umsetzung von rund 60 freiwilligen Helferinnen und Helfern, die in Zusammenarbeit mit German Volunteers in zahlreichen Bereichen im Einsatz sind – vom Sport über Social Media und Logistik bis zur Organisation des Rahmenprogramms.