Gauweiler hatte am Donnerstag in einem Schreiben an die Mitglieder des Haushalts- und Verteidigungsausschusses des Bundestags mitgeteilt, dass die Damen-Werft wegen Vertragsbruchs gegenüber der Bundesrepublik Zahlungs- und Freistellungsansprüche in Höhe von rund 4,7 Milliarden Euro geltend mache. Wegen großer Verzögerungen, technologischer Probleme und Kostensteigerungen war geplant, dass der Rheinmetall-Konzern als Generalunternehmer das Projekt von Damen übernimmt. Ein Vertrag sei bereits ausgehandelt worden, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf eigene Informationen. Doch dazu kam es nicht, da Pistorius das Projekt am 24. Juni offiziell stoppte und mitteilte, dass man bei dem seinerzeit 2020 unterlegenen Unternehmen Thyssen Marine Krupp Systems (TKMS) jetzt kleinere Fregatten des Typs MEKO A-200 kaufe. Wegen des entgangenen Geschäfts brach die Rheinmetall-Aktie um rund zehn Milliarden ein.
Da aber der Vertrag nicht zum Tragen kam, tritt die bis zum Aus federführende Damen-Werft als möglicher Kläger auf. "Dem erklärten Rücktritt ebenso wie der medienwirksam inszenierten Kündigung fehlte jede rechtliche Grundlage", sagte Gauweiler. Bereits jetzt beträgt der Schaden 2,3 Milliarden Euro und könnte durch Schadenersatzforderungen deutlich anwachsen. Besonders umstritten ist, wie im Hintergrund und ohne Ausschreibung, das Ersatzgeschäft mit TKMS geplant wurde.
Chef von TKMS ist Oliver Burkhard, Mitglied der SPD und im erweiterten Präsidium des Wirtschaftsforums der SPD. Als Top-Manager sitzt zudem Andreas Görgen im TKMS-Vorstand, ein alter Bekannter von Rüstungs-Staatssekretär Jens Plötner. Beide arbeiteten auch zusammen unter Frank-Walter Steinmeier (SPD) im Auswärtigen Amt. Wer genau und wann die Entscheidung getroffen hat, will das Ministerium auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung" nicht sagen: "Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu internen Entscheidungsprozessen grundsätzlich nicht äußern", sagte eine Sprecherin der "Süddeutschen Zeitung".
Auf einen Fragenkatalog der Zeitung räumte das Ministerium ein, dass es seit April, also schon Wochen vor der Kündigung des F126-Projekts, konkrete und vermehrte Gespräche mit TKMS gegeben habe. "Der Bundesminister der Verteidigung hatte in dem abgefragten Zeitraum zwei Treffen mit Herrn Burkhard", hieß es aus dem Ministerium. Einen Termin habe er gemeinsam mit Staatssekretär Plötner wahrgenommen. Darüber hinaus habe Pistorius ein Telefonat mit Burkhard geführt. Und Plötner führte in dem abgefragten Zeitraum zwei Telefonate mit Burkhard. Es könne sein, dass diese Angaben "nicht vollständig sind".
Der CDU-Haushaltspolitiker Andreas Mattfeldt spricht auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung" von einem "seltsamen Verlauf", zumal man das F126-Projekt wegen der lange bekannten Probleme auch viel früher hätte beenden können. "So sind leider auch industriepolitische Verwerfungen, insbesondere im Mittelstand der Branche, nicht zu vermeiden gewesen", so Mattfeldt.