Aufschwung kommt im Handwerk in Baden-Württemberg nicht an

Aufschwung kommt im Handwerk in Baden-Württemberg nicht an - (Foto: Handwerk-Schriftzug (Archiv))
Stuttgart - Der von Wirtschaftsforschern gemeldete leichte Aufschwung ist im Handwerk in Baden-Württemberg noch nicht angekommen. Der Baden-Württembergische Handwerkstag teilte in Stuttgart am Donnerstag mit, dass sich die Geschäftslage der Betriebe im dritten Quartal gegenüber dem Frühjahr zwar leicht verbessert hat, im Vergleich zum Vorjahr aber deutlich schwächer ausfällt.

43 Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuelle Lage als gut, vor einem Jahr waren es 59 Prozent. Der Anteil der Betriebe mit schlechter Geschäftslage stieg von 14 auf 20 Prozent. Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold sagte: "Der kürzlich von Wirtschaftsforschern berichtete leichte Aufschwung kommt im Handwerk noch nicht an. Schwache Aufträge, gebremste Investitionen und sinkende Erwartungen zeigen: Von einer Konjunkturwende in der Breite kann keine Rede sein."

Noch bewertet eine große Mehrheit der Betriebe im Land ihre Lage als gut oder zumindest befriedigend.

Die unzureichenden Auftragszahlen, die Investitionszurückhaltung und der skeptische Blick auf die kommenden Monate sind jedoch deutliche Warnsignale. Besonders deutlich wird die Entwicklung bei Aufträgen und Investitionen: Nur 17 Prozent der Betriebe meldeten höhere Auftragseingänge, bei 38 Prozent gingen sie zurück. Auch beim Umsatz überwogen die Rückgänge.

Gut jeder vierte Betrieb hat seine Investitionen zurückgefahren, während nur noch 18 Prozent mehr investierten. Für das Schlussquartal planen nur rund 14 Prozent höhere Investitionen, gut jeder dritte Betrieb will weniger investieren.

Erstmals seit 2006 fiel die Beschäftigungsentwicklung in einem dritten Quartal negativ aus. Lediglich das Handwerk für den gewerblichen Bedarf verzeichnete ein Beschäftigungsplus, dazu zählen etwa Metallbauer und Feinwerkmechaniker. Hinzu kommt der Kostendruck: Fast drei Viertel der Betriebe berichteten von gestiegenen Einkaufspreisen.

Dagegen konnte nur knapp jeder dritte Betrieb die eigenen Verkaufspreise erhöhen. Besonders angespannt ist die Lage im Nahrungsmittelhandwerk.

Vergleichsweise robust zeigen sich das Bauhauptgewerbe mit Maurern und Betonbauern sowie das Ausbaugewerbe, zu dem unter anderem das Elektrohandwerk zählt. Für das Schlussquartal überwiegt die Skepsis. Nur 17 Prozent der Betriebe erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, 26 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.

Damit sind die Aussichten nur minimal besser als im Frühjahr. Auch bei Aufträgen und Umsätzen rechnen deutlich mehr Betriebe mit Rückgängen als mit Zuwächsen.

Reichhold sagte: "Unsere Betriebe brauchen wieder Luft für Investitionen und damit Gründe zur Zuversicht. Wenigstens aus Stuttgart braucht es diese Impulse, wenn schon nicht aus Berlin. Weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energiepreise und gezielte Investitionsanreize können dazu einen konkreten Beitrag leisten."

Vom Landeshaushalt für 2027 müssten klare Signale ausgehen, dass die Landesregierung nach Monaten der Orientierung ins Abarbeiten komme.


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