Der Historiker Magnus Brechtken beobachtet eine zunehmende Verärgerung in Westdeutschland über die Entwicklung Ostdeutschlands.
"Viele Westdeutsche haben mittlerweile die Nase voll angesichts der ständigen Klagen aus dem Osten - auch angesichts der Kosten", sagte der stellvertretende Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in München der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS).
Brechtken kritisiert, dass sich in den ostdeutschen Bundesländern eine unreflektierte "Abgrenzungsidentität" breitgemacht habe, die es im Westen nicht gebe und die auf Geschichtsirrtümern berufe. "Wenn Ostdeutsche heute klagen, in den Ländern der ehemaligen DDR gebe es ja nichts zu vererben und die Leute seien ärmer als im Westen, dann liegt das nicht daran, dass die Westdeutschen ihnen etwas weggenommen haben, sondern dass die DDR 40 Jahre lang von der Substanz gelebt hat und nicht in der Lage war, ein dem Westen vergleichbares Wirtschaftsvermögen aufzubauen", sagte Brechtken der FAS. "Die DDR war 1989 bankrott; ein ökonomisch aufgezehrtes, von innen zerstörtes Land." Es sei auch eine "Illusion zu glauben, man könne alle Unterschiede binnen dreieinhalb Jahrzehnten egalisieren".
Brechtken hält auch den Umgang der deutschen Politik mit der Debatte für verfehlt.
"Besonders bei offiziellen Anlässen wird oft so getan, als müsse man die Ostdeutschen loben, in Schutz nehmen oder besonders rücksichtsvoll behandeln", sagte der Historiker der FAS. Diese Kritik richtet Brechtken auch an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: "Wenn etwa der Bundespräsident zum 3. Oktober spricht, hören wir weiterhin Wohlfühl-Rhetorik. Es wäre genauso notwendig, die Menschen, die sich missverstanden fühlen oder nach ihrer Identität suchen, an einige historische Fakten zu erinnern."
Historiker: Westen hat "Nase voll" von Klagen aus dem Osten
über dts Nachrichtenagentur
22. August 2026 - 09:00 Uhr
Von Sandra Will - Brandenburg