Brandenburg baut ein gemeinsames interdisziplinäres Hochrisikomanagement gegen häusliche Gewalt auf. Das teilte das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt am Sonntag mit. Die Ministerien für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt, des Innern und für Kommunales, der Justiz und für Digitalisierung sowie für Bildung, Jugend und Sport wollen damit Hochrisikofälle häuslicher Gewalt frühzeitiger erkennen und insbesondere Tötungsdelikte, also Femizide, verhindern.
Einen entsprechenden Leitfaden für die Koordinierung der Zusammenarbeit der Behörden und Organisationen hat das Ministerium herausgegeben.
Alle relevanten Behörden und Organisationen – Polizei, Staatsanwaltschaften, Gerichte, Jugendämter sowie Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen – sollen Fälle mit besonders hohem Gefährdungspotenzial gemeinsam prüfen und geeignete Schutzmaßnahmen ableiten. Geplant sind fünf Schritte. Nach einer Risikoeinschätzung durch die Stelle, die mit der Betroffenen in Kontakt steht, folgt eine systematische Risikoanalyse unter Einbeziehung der Betroffenen. Als Hochrisikofall bewertete Sachverhalte sollen in einer Fallkonferenz individuell erörtert werden.
In der Fallkonferenz sind regelmäßig spezialisierte Beratungs-, Interventions- und Koordinierungsstellen, Polizei, Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen, Täterarbeits- und Opferhilfeeinrichtungen sowie Jugendämter vertreten. Dort werden gezielt Schutzmaßnahmen für den jeweiligen Einzelfall erarbeitet und anschließend gemeinsam mit der Betroffenen durch die zuständigen Behörden und Organisationen umgesetzt. Ein Monitoring soll die Maßnahmen regelmäßig auf ihren Erfolg überprüfen und gegebenenfalls anpassen oder beenden.
Der flächendeckende Aufbau des Hochrisikomanagements ist eine zentrale Forderung der Istanbul-Konvention zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen und Mädchen, zu der sich Bund und Länder verpflichtet haben. Strategie für Brandenburg ist der Landesaktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und ihre Kinder, der den Aufbau ebenfalls vorsieht. Der Leitfaden wurde von der Arbeitsgruppe des Begleitgremiums zum Landesaktionsplan erarbeitet, in der neben den Ministerien und der Polizei zahlreiche Organisationen des Hilfesystems vertreten sind.
Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik wurden im Jahr 2025 in Brandenburg 4.712 weibliche Opfer häuslicher Gewalt erfasst, 15 davon bei Mord- und Totschlagsdelikten. Fünf der Opfer starben an ihren Verletzungen. Allein im August kam es in Brandenburg zu drei mutmaßlichen Femiziden, bei denen drei junge Frauen getötet wurden. Der Leitfaden ist in einer Auflage von 500 Stück erschienen und steht online zum Download bereit.
Brandenburg baut Hochrisikomanagement gegen häusliche Gewalt auf
über dts Nachrichtenagentur
13. September 2026 - 08:30 Uhr
Von Sandra Will - Brandenburg