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Von Behörden im Stich gelassen: das schmerzt die Ahrtalbewohner besonders

Von Behörden im Stich gelassen: das schmerzt die Ahrtalbewohner besonders / Fotokredit: Michaela Huber

Manchmal jagt ein Skandal den nächsten, so auch im Ahrtal. Erst vor kurzem ist der Innenminister zurückgetreten, weil die Anschuldigungen hinsichtlich der angewandten Maßnahmen nicht mehr tragbar waren. Bei sämtlichen Diskussionen und Anschuldigungen sollte jedoch nicht vergessen werden, dass es Menschen waren, um die es bei der Flutkatastrophe im Jahr 2021 ging, welche heute noch unter den verheerenden Folgen leiden. Die Psychotherapeutin Michaela Huber kann sich aufgrund ihrer langjährigen Expertise in die Situation und die Menschen vor Ort hineinversetzen und präsentiert diese Einschätzung in einem Gastbeitrag.

Von heute auf morgen alles verloren

Mehr als 100 Liter pro Quadratmeter regnete es, als die Nacht vom 14. auf den 15 Juli 2021 hereinbrach. Die Ahr, ein kleiner Fluss im Ahrtal, wurde binnen weniger Stunden zu einem reißenden Strom, der Häuser, Autos, Tiere und Menschen mitriss und nahegelegene Orte in gespenstische Schlammwüsten verwandelte. Das Leben, das sich die Menschen in dieser Umgebung aufgebaut hatten, war von heute auf Morgen verloren . Auch Helfer, wie Polizeibeamt:innen und Mitarbeiter:innen der Feuerwehr kamen im Einsatz ums Leben und stießen immer wieder an die Grenzen ihrer menschlichen Fähigkeiten.

Von den Behörden keine Spur

Ein Untersuchungsausschuss soll aufklären, wie es zu diesem dramatischen Vorfall kommen konnte. Damals fühlte sich keine Behörde, Institution aber auch die Politik nicht verantwortlich für die Situation. Verschiedene Polizeibehörden meldeten, sie hätten Informationen weitergegeben. Die für den Katastrophenschutz zuständige Behörde habe kein Bild von der Lage gehabt und wegen der Wettersituation vergeblich versucht, rettende Hubschrauber zu organisieren. Ohne Hilfe blieben die Menschen im Katastrophengebiet zurück und hofften auf die Hilfe der Zuständigen.

Nach der Katastrophe ist vor dem Nichts

Jeder Mensch, der bereits erleben musste, wie es ist, Opfer einer Naturkatastrophe zu werden, weiß, dass außenstehend, aber auch von den direkt Betroffenen verschiedene Reaktionen gezeigt werden. Während manche sich in Unmut stürzen und anfangen mehr Alkohol zu trinken, um ihre Ratlosigkeit zu vergessen, begegnen andere der Situation mit Schulterzucken und der Ansicht, dass eine solche Naturkatastrophe passieren kann. Die Reaktionen auf solch ein schreckliches Unglück und der damit verbundene Umgang ist völlig unterschiedlich. Zahlreiche Menschen kämpfen heute noch um ihr Recht, müssen sich täglich mit Behörden auseinandersetzen oder sitzen auf Rechnungen von Handwerker:innen, die dafür gesorgt haben, dass zumindest ein wenig Normalität einkehrt.

Die “Nachbarschaftshilfe” der Menschen, die von überall aus Deutschland ins Ahrtal kamen, um den Opfern zu helfen, ist abgeklungen und mittlerweile sind Ereignisse aus dem Ausland scheinbar interessanter als die Berichterstattung über die Menschen im eigenen Land. Alleingelassen mit Schäden, zahlreichen Opfern und einem völligen Chaos tanzt und feiert man im Ahrtal zwar wieder, doch das Erlebte kann so schnell nicht vergessen werden.

Die Autorin:

Michaela Huber ist psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin, Ausbilderin in Traumatherapie und Autorin zahlreicher Fachbücher. Als Psychotraumatologin und Stress-Expertin ist sie immer wieder in TV-Formaten zu sehen, berät Politiker:innen, Organisationen, Verbände und Redaktionen. In ihrer MH Akademie bieten ihr Team und sie Seminare zu verschiedenen Themen und Supervisionen für PsychotherapeutInnen an. 

Video von Psychotherapeutin Michaela Huber