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Ines Richter: Wenn Stress führt, bevor Führung beginnt

Foto: Ines Richter

Warum Entscheidungen unter Druck selten rational sind! Ein Meeting. Die Zahlen sind schlechter als erwartet. Ein kritischer Einwand aus dem Team. Für einen Moment wird es still. Dann verändert sich die Atmosphäre. Der Ton wird schärfer, die Argumente werden knapper, Entscheidungen fallen schneller als geplant.

Was hier geschieht, ist selten reine Strategie. Es ist eine körperliche Reaktion.

In meiner Arbeit mit Führungskräften erlebe ich immer wieder, dass Entscheidungen unter Druck nicht rational entstehen, sondern reflexhaft. Noch bevor ein Gedanke zu Ende formuliert ist, hat das Nervensystem reagiert.

Stress beginnt im Körper

Puls und Atem beschleunigen sich, die Muskulatur spannt an, der Blick wird enger. Der Organismus schaltet auf Alarm. Und dieser Alarm prägt Wahrnehmung, Tonfall und Handlungsspielräume. Stress ist weniger ein mentales als ein physiologisches Phänomen. Er beginnt nicht im Denken, sondern im System. Ist die innere Alarmanlage aktiviert, verändert sich, was wir hören und wie wir sie interpretieren. Kritik wird schneller als Angriff gelesen. Unsicherheit wird zur Bedrohung. Tempo erscheint wichtiger als Differenzierung.

Viele Organisationen arbeiten inzwischen in einem Zustand latenter Daueranspannung. Permanente Erreichbarkeit, hohe Zielvorgaben und stetige Transformation halten das Nervensystem in erhöhter Wachsamkeit.

Warum Strategien unter Druck scheitern

Strategien sind klug formuliert, Leitbilder sauber ausgearbeitet. Doch wenn Menschen aus einem inneren Überlebensmodus heraus handeln, greifen sie auf vertraute Muster zurück. Kontrolle ersetzt Dialog. Geschwindigkeit ersetzt Sorgfalt. Macht ersetzt Beziehung. So entsteht schleichend eine Führungskultur, die sich verhärtet, ohne dass es jemand beabsichtigt. Gute Strategien scheitern nicht an fehlender Intelligenz, sondern am inneren Zustand, in dem Entscheidungen getroffen werden.

Nachhaltige Veränderung beginnt daher nicht nur bei Prozessen oder Mindsets, sondern auch bei der Fähigkeit zur Selbstregulation. Die bewusste Wahrnehmung von Atem, Körperspannung und innerer Geschwindigkeit schafft einen Moment zwischen Reiz und Reaktion. In diesem Moment entsteht Wahlfreiheit.

Solange der Körper schneller reagiert als der Verstand, entscheidet nicht die beste Strategie, sondern der stärkste Stress Impuls. Wer das erkennt, verändert nicht nur einzelne Entscheidungen, sondern die Kultur eines Unternehmens von innen heraus.

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von

Ines Richter

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