Roth, der nach 27 Jahren im Bundestag selbst aus der Berufspolitik ausgestiegen war, sagte, ihm hätten "die Härte der Auseinandersetzung, der Hass, die Wut" im politischen Betrieb, in den Medien und in der Gesellschaft zu schaffen gemacht. "Wenn am Ende sich die Stillen und Leisen, die Sensiblen, die Empathischen zurückziehen und nur noch die Hartleibigen, die mit dem dicken Fell und die Zyniker übrig bleiben, dann wirkt sich das nicht gut auf unsere politischen Entscheidungen aus", so der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete weiter. Die politische Auseinandersetzung müsse hart in der Sache sein, zugleich gelte: "Wir sollten respektvoll miteinander umgehen. Und wir sollten die Integrität von Menschen respektieren", sagte Roth.
Als besonders schwerwiegend bezeichnete er Morddrohungen, die er selbst erlebt habe. Viele Betroffene machten solche Erfahrungen irgendwann mit sich selbst aus, um ihre Angehörigen nicht zusätzlich zu belasten. Viele sagten dann irgendwann, ob sie Bürgermeister seien, Landräte seien, Minister seien, Abgeordnete seien: "Nein, das tue ich mir nicht mehr an", so der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete weiter. Das sei ein Verlust. Die zunehmende Aggressivität werde vor allem von Populisten und Extremisten vorangetrieben und färbe auf die politische Mitte und die Gesellschaft ab. "Die werden gerade jetzt dringend gebraucht", sagte Roth über jene, die nicht zu den Lauten gehörten und politische Debatten mit Zwischentönen bereicherten.