Missbrauchsbeauftragte fordert verschärften Jugendschutz

Missbrauchsbeauftragte fordert verschärften Jugendschutz - (Foto: Kerstin Claus (Archiv))
Die Bundesbeauftragte gegen sexuellen Kindesmissbrauch, Kerstin Claus, fordert eine Verschärfung der Gesetze zum Schutz von Jugendlichen. Das derzeit geltende Schutzalter von 14 Jahren für sexuelle Kontakte mit Erwachsenen sei zu niedrig, sagte sie dem Tagesspiegel. Claus begrüßte grundsätzlich den Vorstoß von Justizministerin Stefanie Hubig (SPD), das Prinzip "Nur Ja heißt Ja" für Minderjährige einzuführen. Sie erklärte: "Das ist ein erster Schritt. Doch er allein reicht nicht, wenn es darum geht, Jugendliche künftig besser zu schützen." Claus ergänzte, Schulen seien in Deutschland unzureichend auf Fälle sexualisierter Gewalt durch Lehrkräfte vorbereitet.
Es fehle bundesweit an Wissen über Täterstrategien und Missbrauchsmuster - auch bei der Schulaufsicht, die disziplinarisch für die Prüfung solcher Vorwürfe zuständig ist. Claus fordert verpflichtende Schulungen in allen Bundesländern. Ein weiteres Problem sei das Schweigen der Schulen. Vorfälle würden selten aufgearbeitet, Betroffene fänden kein Gegenüber. Zudem meldeten Schulen Fälle kaum den zuständigen Unfallkassen - obwohl Betroffene dort Anspruch auf Therapiekosten oder Renten haben könnten. Claus nennt dies einen "Skandal". Für den Spätsommer kündigt sie eine deutschlandweite Befragung von Neuntklässlern zu Gewalterfahrungen an. Anlass ist eine Tagesspiegel-Recherche zum mutmaßlichen sexuellen Missbrauch mehrerer Schülerinnen durch einen Berliner Lehrer. Er soll zwischen 2016 und 2021 mehrere Schülerinnen sexuell missbraucht haben, in einem Fall soll es zu einer Vergewaltigung gekommen sein. Der Fall wird aktuell vor dem Berliner Landgericht verhandelt. Am kommenden Freitag soll das Urteil fallen.

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