Finnlands Außenministerin Elina Valtonen hat Europa dazu aufgerufen, im Umgang mit Russland weiter auf Druck und Abschreckung zu setzen. "Jetzt darf es nicht wieder eine Zeitenwende geben, die uns im schlimmsten Fall in eine Situation zurückführt, wie wir sie vor dem Krieg hatten, als wir viel zu oft ein Auge zugedrückt haben bei Moskaus Verhalten", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Auf die Nachfrage, an wen sie in Europa bei dieser Warnung denke, sagte sie: "An uns alle."
Mit Blick auf die hybride Kriegsführung Russlands und dessen beständige Provokationen sagte Valtonen, die Finnen wüssten, dass man sich nicht einschüchtern lassen dürfe.
"Wir müssen unseren Kurs fortsetzen: weiter auf Verteidigung und Abschreckung setzen". Sie fügte hinzu: "Und auch wenn wir alle vor dem Krieg mal andere Hoffnungen hatten mit Blick auf Russland und geschäftliche Kontakte, ist jetzt absolut nicht die Zeit, wieder an Handelsbeziehungen zu denken oder an politische Beziehungen."
Mit Blick auf mögliche Verhandlungen mit Russland und die Frage, wer Europa dabei vertreten solle, mahnte Valtonen zu Zurückhaltung. Zwar sehe sie, dass sich ein Fenster der Diplomatie öffnen könne, wie Bundeskanzler Friedrich Merz es formuliert hatte. "Aber bevor wir jetzt um die Wette in Moskau anrufen, sollten wir uns im Klaren sein, was wir mit einer solchen Diplomatie erreichen wollen."
Russland halte weiterhin an den maximalen Zielen fest, nämlich nicht nur Teile der Ukraine zu erobern, sondern das Land völlig zu unterwerfen. "Das können wir nicht akzeptieren und deshalb dürfen wir den Verteidigungskampf für die Freiheit der Ukraine nicht aufgeben." Sie finde es "okay, dass man auf Beamtenebene Gespräche vorbereitet", sagte sie zu der Diskussion um die Kontaktaufnahme von EU-Ratspräsident Costa. "Aber für Gespräche von Politikern ist die Zeit noch nicht reif." Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, "dass wir in Europa ganz unbedingt Gespräche suchen, um einen Frieden, egal unter welchen Bedingungen auch immer, zu bekommen".
Valtonen zeigte sich offen dafür, dass Berlin, Paris und London als E3 eine führende Rolle bei Verhandlungen für Europa einnehmen. "Es ist nur wichtig, dass die östlichen Länder und auch die nordischen da auch vertreten sind", sagte sie. "Nicht nur deshalb, weil wir vor allem im Norden zu den größten Unterstützern der Ukraine gehören, sondern auch ganz direkt davon betroffen sind mit unseren Grenzen zu Russland und als Ostsee-Anrainer."
Finnlands Außenministerin aktuell gegen Gespräche mit Moskau
über dts Nachrichtenagentur
28. Juni 2026 - 14:16 Uhr
Von Peter Heidenreich - Deutschland