Das Bürgerfest des Bundespräsidenten hat Tradition

Das Bürgerfest des Bundespräsidenten hat Tradition. Foto: Agentur Baganz

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dazu aufgerufen, Deutschland trotz der krisenhaften Zeiten nicht schlechter zu reden als es ist. Bei der Eröffnung des Bürgerfestes im Park seines Berliner Amtssitzes Schloss Bellevue dankte er am Freitag zudem den ehrenamtlich engagierten Gästen für ihren Einsatz. Sie seien «Vorbilder» und «Mutmacher», sagte er. «Ob Bahnhofsmission, ob Lesepate im Kietz oder Trachtenverein: Sie alle sind Deutschland. Sie stehen für die Vielen, die unser Land tagtäglich zusammenhalten. Sie sind das wirklich starke Rückgrat unserer Demokratie.»

Dieses Fest finde nicht zu einer normalen Zeit statt. Viele Menschen machten sich Sorgen, er auch, sagte Steinmeier. «Ich mache mir Sorgen, weil es zu viele gibt, die unsere Demokratie schlechtreden und zu wenige, die sich dafür engagieren. Ich mache mir Sorgen wegen manchmal so viel Kleinmut und Verzagtheit in unserem Land - einem Land, das so viel besser ist, als wir uns im Alltag selbst gelegentlich zugestehen.» Und er denke vor allem an die vielen Menschen, die sich dafür einsetzten, dass unsere Gesellschaft ein klein wenig besser werde - «und die dafür selten Applaus bekommen, sondern manche sogar angefeindet oder angegriffen werden».

Der Bundespräsident und seine Frau Elke Büdenbender hatten rund 3000 ehrenamtlich engagierte Menschen aus ganz Deutschland zum Bürgerfest eingeladen. Sie wollten damit deren freiwillige Arbeit im Dienst der Gesellschaft würdigen. Gemeinnützige Organisationen, Initiativen und Unternehmen informierten im Park des Schlosses über ihre Aktivitäten. Die Spannbreite des ehrenamtlichen Engagements reichte vom Umwelt- und Naturschutz über internationale Jugendarbeit bis hin zu Sport, Bildung, Sozial- und Kulturprojekten oder Inklusion.

Man müsse «alle diese Menschen, die sich reinhängen für andere, noch viel mehr ins Licht rücken», sagte Steinmeier. Die Zeiten seien zwar schwierig und herausfordernd. «Aber es sind keine Zeiten für Rückzug und Einigeln, keine Zeiten für Missgunst und Rechthaberei. Es ist Zeit für Zusammenhalt!» Der Bundespräsident rief dazu auf, sich auf die Stärken Deutschlands zu besinnen: «Das ist Menschlichkeit, das ist Gemeinsinn, das ist Anpacken und das ist Zuversicht.

Beim Bürgerfest wurde es in diesem Jahr voller als üblich, weshalb es für viele Gäste erst einmal mit einer 200 Meter langen Warteschlange begann. Der Grund: Unter den Eingeladenen waren auch die Gäste des vergangenen Jahres. Damals musste das Fest wegen eines Unwetters abgebrochen werden, bevor es richtig begonnen hatte. Steinmeier hatte den enttäuschten Besuchern damals versprochen, sie in diesem Jahr wieder einzuladen.

So bekam auch Thorsten Boomhuis aus Nordhorn in Niedersachsen seine zweite Chance. Er hat seit Anfang 2020 den Verein «PingPongParkinson Deutschland» aufgebaut, der nach seinen Angaben inzwischen bundesweit rund 1400 Mitglieder zählt. Tischtennis könne Parkinson zwar nicht aufhalten, aber bremsen, erläuterte der 49-Jährige. Dass er nun nach der Enttäuschung im Vorjahr erneut eine Einladung erhielt, sei «natürlich toll», sagte er am Freitag. «Das ist schon eine Ehre, hätte man ja auch nicht unbedingt machen müssen.»

Im Regenguss des vergangenen Jahres bekam Boomhuis von einem Zeltdach aus noch «einen Schwall Wasser in den Nacken». Dieses Risiko bestand jetzt bei prächtigem Sommerwetter nicht. Er sei kein Wetterprophet, meinte Steinmeier. «Aber mit dem Blick nach oben, traue ich mich zu sagen, dass uns der Regen heute nicht in die Quere kommt.»


Werbung
Werbung
Werbung