Zahl rechter Gewalttaten in Brandenburg laut des Vereins Opferperspektive gestiegen

Zahl rechter Gewalttaten in Brandenburg laut des Vereins Opferperspektive gestiegen. Archivbild von Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Die Zahl rechter Gewalttaten ist in Brandenburg nach Angaben des Vereins Opferperspektive im vergangenen Jahr auf einen Höchstwert gestiegen. Für 2025 seien 290 rechte, rassistische, antisemitische und queerfeindliche Angriffe gezählt worden, teilte der Verein mit. Im Jahr zuvor waren es 273 Angriffe. Auch die Zahl der Betroffenen habe mit 523 einen Höchstwert erreicht.

Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr nach Angaben des Innenministeriums einen Anstieg an politisch motivierten Gewaltstraftaten von rechts im Vergleich zu 2024. Damals wurden 113 Taten gezählt, die genauen Zahlen werden noch veröffentlicht. Die Opferperspektive orientiert sich an der Polizeistatistik, die Zahlen unterscheiden sich aber - unter anderem, weil Bedrohung und Nötigung laut Verein bei ihm unter die Definition als Gewaltstraftaten fallen, anders als bei der Polizei.

Verein: Gezielte Angriffe nehmen zu

Die Opferperspektive sieht eine «gefährliche Normalisierung rechter Gewalt». Geschäftsführerin Judith Porath sagte, die Taten rechter Gewalttäter richteten sich hauptsächlich gegen tatsächliche und vermeintliche Migrantinnen und Migranten sowie gegen politische Gegner. «Ganz besonders besorgniserregend für uns: die Zunahme gezielter und geplanter Angriffe», sagte Porath.

Der Schwerpunkt der Angriffe liegt nach Angaben der Opferperspektive in Nordbrandenburg. Die meisten Angriffe gab es im vergangenen Jahr im Kreis Märkisch-Oderland mit 46, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht. Dahinter folgen die Stadt Cottbus mit 38 Angriffen und der Kreis Oberhavel mit 23 Angriffen.

Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke rief anlässlich des internationalen Tages gegen Rassismus am Samstag zu Vielfalt, Toleranz und Respekt auf. «Unsere Demokratie lebt davon, dass Menschen sich einbringen und Zivilcourage zeigen, gerade wenn Anfeindungen, Hass und Hetze zunehmen», sagte sie.

Flüchtlingsunterkünfte und ein Demokratiefest 

Der Verein Opferperspektive nannte drei Beispiele für rechte Gewalt im Jahr 2025: Im März griffen Unbekannte den alternativen Jugendclub in Senftenberg im Landkreis Oberspreewald-Lausitz mit Steinen an. In Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) sollen mehrere Verdächtige ebenfalls im März eine Flüchtlingsunterkunft angegriffen haben. In Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) attackierte eine Gruppe teils vermummter Männer im Juni eine Kundgebung des Bündnisses «Bad Freienwalde ist bunt».

Die zunehmende Gewalt an Schulen findet sich in den Zahlen der Opferperspektive nicht wieder: «Über Schulen werden uns keine Fälle gemeldet», sagte die Geschäftsführerin. Das Problem nimmt nach ihrer Ansicht aber dramatisch zu: «Es ist inzwischen fast wie ein Flächenbrand.» Sie sprach von rechten Vorfällen und der Ausgrenzung von Kindern.

Verein ruft Regierung zu Unterstützung auf

Die Opferperspektive ist eine Fachberatungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Geschäftsführerin Porath rief die neue SPD/CDU-Landesregierung dazu auf, sich «absolut schützend» vor die bestehenden Strukturen der Beratung zu stellen - auch mit Blick auf die Aufstellung des nächsten Haushalts. In diesem Jahr kam das Aus für die Antidiskriminierungsberatung für Brandenburg bei der Opferperspektive - dies erklärte die Landesregierung mit dem Wegfall von Bundesmitteln.


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