Das Gift von Rossameisen, Waldameisen und Co. ist deutlich komplexer als bislang angenommen. Ein Forscherteam der Freien Universität Berlin und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat erstmals nachgewiesen, dass das säurehaltige Sprühgift dieser Ameisen ein Cocktail aus Peptiden und weiteren bioaktiven Substanzen ist. Die Entdeckung schließt eine jahrhundertalte Wissenslücke, wie die Universität Berlin am Mittwoch mitteilte.
Die im Gift identifizierten Peptide leisten offenbar einen Beitrag zur Nesthygiene.
Die Ameisen schmieren ihre Brut mit dem Gift ein, die Peptide bleiben nach dem Verdunsten der Ameisensäure auf den Puppen zurück und wirken dort Infektionen entgegen. Einige der Peptide zeigen eine ausgeprägte Wirkung gegen Pilze. Das Gift von Schuppenameisen, zu denen auch die Waldameisen gehören, galt bislang als vergleichsweise einfach zusammengesetzt: Ameisensäure wurde seit ihrer Entdeckung im 17. Jahrhundert als zentraler und nahezu alleiniger Inhaltsstoff betrachtet.
Die Forschungsergebnisse untermauern, dass das Gift von Schuppenameisen vielfältige Funktionen erfüllt. Die Ameisen verwenden es nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zur Desinfektion, zur Steuerung ihrer Darmflora und zur Kommunikation mit Artgenossen. Für ihre Arbeit kombinierten die Forschenden Methoden aus Biologie, Chemie und Pharmazie. Die Studie ist im Fachmagazin Science Advances erschienen.
Ameisengift entpuppt sich als komplexer Immun-Cocktail
über dts Nachrichtenagentur
14. Mai 2026 - 11:05 Uhr
Von Sophie Neumann - Berlin