Wie Apotheker:innen Risiken aufdecken und Gefahren minimieren

Wie Apotheker:innen Risiken aufdecken und Gefahren minimieren. Symbolfoto von Hans auf Pixabay

Wechselwirkung, Doppelverordnung, Unverträglichkeit: Jeder siebte Deutsche nimmt dauerhaft fünf oder mehr Medikamente ein - bei der Polymedikation steigt aber mit jedem Arzneimittel das Risiko, durch die Medikamente selbst Schaden zu erleiden. Um diese zu minimieren, gibt es die Medikationsberatung in der Apotheke. Wie wichtig diese ist und wie gut Patient:innen dadurch geholfen werden kann, zeigt die aktuelle Ausgabe des Gesundheitsmagazins "Apotheken Umschau": Darin teilen Apothekerinnen und Apotheker Geschichten, die sie bei der Medikationsberatung erlebt haben.

Apothekerin Magdalena Dolp aus Leutkirch erzählt von einer älteren Dame, deren Leberenzyme im Blutbild stiegen. Juckreiz, Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen: Der Dame ging es nicht gut, der Arzt fand keine Ursache. "Bei der Medikationsanalyse fiel mir ein Cholesterinsenker auf, den die Dame wegen ihrer Herzkrankheit zu sich nahm", so Dolp. Die Apothekerin schickte die Frau zum Gentest - es zeigte sich: Sie verträgt die meisten Cholesterinsenker nicht und manche nicht in jeder Dosierung. So konnte der Hausarzt die Medikation anpassen - inzwischen geht die Patientin beschwerdefrei durchs Leben.

Apothekerin Dr. Katja Renner aus Wassenberg fand bei einer Medikationsberatung den Grund für einen Scheidenpilz, gegen den ein Gynäkologe eine Creme verschrieben hatte. Das Problem: Die Patientin nahm gegen ihren Diabetes zwei sehr ähnliche Medikamente ein. Das eine hatte der Hausarzt, das andere der Diabetologe verordnet. "Letztendlich war es so, als würde sie zweimal die gleiche Tablette schlucken. Die beiden Wirkstoffe führen dazu, dass mehr Zucker ausgeschieden wird." So wachsen im Intimbereich Pilze besser. Eines der Diabetes-Medikamente wurde daraufhin abgesetzt, der Pilz verschwand.

Und Apotheker Ulrich Koczian aus Augsburg fand bei der Medikationsberatung einer Kundin gleich zwei kritische Fehler: Sie nahm das Schmerzmittel Metamizol auf Verordnung des Hausarztes und Methotrexat gegen rheumatoide Arthritis vom Facharzt. "Die Kombination kann Blutzellen schwer schädigen und sogar zum Tod führen", sagt Renner. Das Schmerzmittel ließ sich nach ärztlicher Rücksprache problemlos durch Paracetamol ersetzen. Außerdem litt sie an Nervenschädigungen in den Beinen, die sie selbst mit Vitaminen behandelte. Aber: "Nicht nur waren die Präparate nicht geeignet, sie enthielten auch Folsäure. Folsäure kann die Wirkung von Methotrexat schwächen, wenn sie am gleichen Tag eingenommen wird. Auch war es wichtig, dass sie die Nervenschädigungen abklären ließ." Das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau" ist aktuell in den meisten Apotheken erhältlich. 

Quelle:  Wort & Bild Verlagsgruppe



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