Rockband Ossternhagen gibt Konzert im Schöneberger Mikropol

​Markus Paulick kommt mit seiner Band „Ossternhagen" ins Mikropol. Foto von Markus Paulick

​Berlin: Wer an Marius Müller-Westernhagen denkt, landet im Geiste meist blitzschnell auf den Rängen überfüllter Olympiastadien der Neunzigerjahre. Man sieht Scheinwerferkaskaden vor sich, spürt die Menge und hört die unvermeidlichen Chor-Echos von „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" oder „Freiheit". Es ist das Denkmal eines Giganten der deutschen Rockgeschichte – monumental, durchchoreografiert und längst im kollektiven Gedächtnis verankert. Doch solche Denkmäler haben die Eigenschaft, im Laufe der Jahrzehnte starr zu werden. Sie verstauben, wenn sie niemand mehr anfasst.

​Wer wissen will, wie dieser Sound klingt, wenn man die meterhohe Staubschicht abklopft und die pure Entstehungsenergie freilegt, muss den Blick weg von den Großarenalen lenken – hinein in die verwinkelten Kieze der Hauptstadt. Genauer gesagt: ins Mikropol, den neuen, fantastischen Club direkt neben dem Metropol am Nollendorfplatz.

​Wo die Musik hautnah unter die Haut geht

​Im Mikropol spürt man sofort, was diesen Ort so besonders macht. Als moderner, intimer Club direkt neben dem geschichtsträchtigen Metropol bietet er genau den Rahmen, der in Berlin so oft gesucht und selten gefunden wird: absolute Nähe zum Künstler, exzellenter Sound und ein stilvolles, lebendiges Club-Ambiente frei vom sterilen Glanz anonymer Großhallen. Hier, wo das Publikum den Musikern so nah ist, dass man jede Nuance der Gitarre und jedes Detail des Gesangs unmittelbar miterlebt, schlägt am 4. Dezember das musikalische Herz von Schöneberg.

​Markus Paulick stellt sich an diesem Abend nicht hin, um eine bloße Tribute-Show abzuliefern. Sein Projekt Ossternhagen ist kein Kostümball und keine Klon-Veranstaltung. Paulick verehrt dieses musikalische Erbe zutiefst und begegnet den Songs mit einer Ehrfurcht, die man in jeder Sekunde spürt. Wer ihn kennt, weiß, dass es ihm um eine echte musikalische Rekonstruktion geht: Er küsst Erinnerungen wach, die bei vielen Fans jahrelang verschüttet lagen.

​Mit einer Stimme, die das nötige Schmirgelpapier besitzt, ohne gekünstelt zu wirken, widmet er sich gemeinsam mit seiner Band vor allem dem vielschichtigen Fundus der Albumtracks und legendären B-Seiten. Statt der gewohnten Radio-Dauerschleifen stehen Perlen wie „Giselher", „Geiler is schon", „Taximann" oder „Lass uns leben" auf dem Zettel – Songs, die unter Westernhagen-Kennern echten Kultstatus genießen.

​Handwerk statt Einspielband

​Unterstützt wird Paulick von einer hervorragenden Bandkonstellation. Während Kulle an der Gitarre für das fundamentale Riff-Korsett und den nötigen Blues-Dreck sorgt und Jan-Hendrik am Schlagzeug den Puls vorgibt, setzt der Einsatz von Scotti an der Ukulele einen überraschenden, fast intimen Akzent. Das Ensemble bricht die Wucht der Vorlagen auf das Wesentliche herunter. Es gibt keine Sequenzer, keine versteckten Tonspuren aus dem Laptop – nur echten handgemachten Rock und die pure Ausstrahlung von Live-Instrumenten.

​Wie vielseitig dieser Abend angelegt ist, zeigt schon der Auftakt: Markus Paulick übernimmt die Bühne gleich doppelt. Bevor er in die Rolle von Ossternhagen schlüpft, eröffnet er den Abend im Support-Slot mit seinem eigenen Projekt Kætsch und beweist damit einmal mehr seine musikalische Bandbreite.

​Wenn Kiez-Kultur auf Leidenschaft trifft

​Dass ein solcher Abend abseits des kommerziellen Mainstreams überhaupt auf die Beine gestellt werden kann, liegt an Netzwerken, die den Berliner Kiez im Innersten zusammenhalten. Die Unterstützung durch Franca Schäfer vom traditionsreichen Air in Berlin - Hotel steht stellvertretend für eine Haltung, die in der Großstadt immer wertvoller wird: Kultur findet nicht nur auf den ganz großen Bühnen statt, sondern lebt davon, dass lokale Partner den Raum für echte, handgemachte Live-Momente schaffen. ​Wenn die Türen des Mikropols öffnen, geht es nicht um Nostalgie-Pflege für das Museum. Es geht um einen grandiosen Konzertabend, der zeigt, wie lebendig, rau und zeitlos gute Songs bleiben, wenn man sie in einem Club spielt, der genau diese Musik atmet. Tickets für „Ossternhagen" können bereits hier bestellt werden!

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