Rund 300 Fachbesucher, drei intensive Tage und ein klarer Fokus auf konkrete industrielle Anwendungen: Das Open House 2026 von IMA Schelling in Lübbecke zeigte die Bandbreite moderner Holz- und Möbeltechnik. Das Spektrum reichte von hochflexiblen Systemen zur Kantenbearbeitung über CNC- und Bohrtechnik bis zu KI-gestützter Qualitätskontrolle. Im Mittelpunkt standen Automatisierung, digitale Prozessintelligenz und skalierbare Fertigung, von der Einzellösung bis zur Massenproduktion.
Vom 6. bis 8. Mai 2026 wurde der westfälische Standort von IMA Schelling zum Zentrum intensiver Kundengespräche und technischer Einblicke. „In einem solchen Rahmen können wir die Zeit mit unseren Kunden optimal nutzen“, sagte IMA Schelling CEO Maximilian Lehner. So bot das Open House 2026 eine Gelegenheit, Anwendungen im Detail zu diskutieren und den laufenden Betrieb direkt zu erleben.
Technik, die ganzheitlich funktioniert
Vorgestellt wurden durchgängige Produktionslösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Zuschnitt über die Kantenbearbeitung bis zu CNC-, Bohr- und Fräsprozessen sowie integrierten Handlingssystemen. Die Anlagen wurden nicht isoliert präsentiert, sondern als komplette Prozessketten im realen Einsatz vorgeführt und im Technikum demonstriert. Die enge Verbindung zur Anwendung prägt die unternehmensweite Hands-on-Mentalität von IMA Schelling.
Im Kontext steigender Anforderungen an Variantenvielfalt und Effizienz rückte zudem die Hochleistungsplattenaufteilsäge HL 1 in den Fokus. Entwickelt für den Trend zur Losgröße 1 zeigt sie, wie sich hohe Performance mit flexiblen Fertigungsanforderungen und variabler Layoutgestaltung verbinden lässt. Die Maschine verdeutlicht zentrale Überlegungen moderner Produktionskonzepte und gibt Einblicke in Funktionen und Auslegungsoptionen für variantenreiche Fertigung. Große Beachtung fand der neue dickflexible Oberdruck bei Durchlaufmaschinen zur Kantenbearbeitung. Die erstmals eingesetzte Lösung erweitert die Möglichkeiten flexibler Anlagenkonzepte und verändert die Struktur moderner Fertigungsprozesse spürbar.
Auch im CNC-Bereich zeigte das Portfolio seine Stärke mit komplexen Geometrien wie 90°-Innenecken und Griffprofilen sowie der automatisierten Integration von Möbelverbindern. Das Spektrum umfasste zudem Durchlaufbohrtechnik sowie platzoptimierte Anlagen mit integrierter Logistik auf Basis von Hochregalsystemen. Dazu gehörten Robotiklösungen für Werkstückhandling und flexible Lastaufnahmen. Vision- und Prüfsysteme zur Identifikation und Qualitätskontrolle komplettierten das technische Gesamtbild.
Software wird Produktionsfaktor
Ein zentrales Thema war die zunehmende Verschmelzung von Automatisierung, Software und künstlicher Intelligenz. Durch Fachkräftemangel, steigende Kosten und wachsende Effizienzanforderungen gewinnen datengetriebene Systeme weiter an Bedeutung. Mit der Weiterentwicklung der Maschinen-Software-Plattform „aimi“ setzt IMA Schelling auf integrierte digitale Strukturen. Parallel wird die ERP-Systemlandschaft modernisiert und um Plattformen erweitert, die Kunden den Einsatz eigener KI-Anwendungen ermöglichen. „Ein komplett neuer Ansatz. Das hat bei uns in der Branche so noch niemand“, betonte CEO Maximilian Lehner.
Premiere feierte zudem die KI-Plattform „Vision AI“. Auf ihr trainieren Kunden eigene Modelle zur industriellen Bildauswertung, etwa für Qualitätsprüfung und Fertigungskontrolle. Damit erweitert das Unternehmen sein Vision-Portfolio konsequent in Richtung individuell konfigurierbarer KI-Anwendungen.
Service neu gedacht
Zu Technologie und Software präsentierte sich auch der Servicebereich als zentraler Bestandteil des Gesamtkonzepts. Ein Schwerpunkt lag auf Konzepten zur nachhaltigen Leistungssteigerung von Anlagen in den Bereichen Modernisierung, Digitalisierung und Reparatur. Ergänzend vermittelten Technical Trainings praxisnahe Einblicke in Workshop-Formate im Technikum, bei denen gemeinsam Optimierungspotenziale identifiziert und Lösungen strukturiert erarbeitet werden. Mit der weiterentwickelten Plattform Zimba stellte IMA Schelling eine zentrale Lösung für Maschinenverwaltung und Support vor, die den Zugriff auf Dokumentationen, Ersatzteile und Serviceprozesse deutlich vereinfacht und beschleunigt. Ergänzt wurde das Angebot durch neue Serviceansätze, darunter vorausschauende Instandhaltung mit Viezo-Sensorik sowie den weiteren Ausbau digitaler Angebote. „Wir heben Service konsequent auf das nächste Level“, bekräftigte IMA Schelling Service Director Martin Krügers, „von neuen Ansätzen im Ersatzteilpricing bis hin zu einem zukunftsorientierten Gesamtkonzept.“
Der persönliche Austausch erwies sich als zentraler Erfolgsfaktor. Die Gespräche reichten von konkreten Projektanforderungen bis zu strategischen Fragen der zukünftigen Produktion. Auch die Wirtschaftssituation war Thema, insbesondere die geopolitischen Unsicherheiten und zurückhaltenden Investitionsentscheidungen. Der CEO zur Lage des Unternehmens: „Trotz eines herausfordernden Marktumfelds sind wir grob auf Kurs.“
Nähe als Zukunftsstrategie
Maximilian Lehner verwies im Rahmen der Veranstaltung immer wieder auf die Bedeutung von Standort, Mitarbeitern, Innovation und direkter Kundennähe. „Wir haben hier einige Neuentwicklungen am Start, sowohl im Servicebereich als auch bei den Neumaschinen. Wir müssen uns nicht verstecken. Unser Team vor Ort macht eine gute Arbeit.“
Internationale Leitmessen wie Ligna, IWF Atlanta und Interzum Guangzhou blieben weiterhin zentrale Bausteine der Marktstrategie. „Doch das Open House in Lübbecke ist ein Format“, unterstrich Lehner, „das wir zunehmend als Ergänzung zu klassischen Messen etablieren wollen. Neben neuen Systemen und realen Anwendungen geht es uns um den intensiven Dialog mit dem Kunden. Denn Zukunft entsteht dort, wo Technologie nicht nur präsentiert, sondern gemeinsam im Prozess weitergedacht wird.“