Eine möglicherweise unzureichende Medikation kann der Erhebung zufolge auch die Sicherheit der Pflegebedürftigen gefährden. 36 Prozent der Befragten berichten, dass die pflegebedürftige Person innerhalb der vergangenen zwölf Monate einen oder mehrere Stürze mit Verletzungen erlitten hat. Ebenfalls 36 Prozent geben an, dass die pflegebedürftige Person in diesem Zeitraum mindestens einmal notfallmäßig ins Krankenhaus aufgenommen werden musste. Insgesamt berichten 51 Prozent von mindestens einem Krankenhausaufenthalt.
Für ZQP-Vorstandsvorsitzenden Ralf Suhr zeigen die Ergebnisse, dass Prävention bei Pflegebedürftigkeit stärker in den Blick genommen werden muss. Die Studie verdeutliche, dass Pflege- und Patientensicherheit älterer Menschen als zentraler Ansatzpunkt von Prävention bei Pflegebedürftigkeit weiter in das Zentrum politischer Debatten zur Zukunft des Gesundheitssystems in Deutschland gerückt werden müsse, sagte Suhr der Funke-Mediengruppe. Gleichzeitig betonte Suhr die bedeutende Rolle pflegender Angehöriger. Pflegende Angehörige seien Schlüsselakteure in der Pflege und Gesundheitsversorgung in Deutschland. Ihr Engagement könne durch professionelle Angebote nicht ersetzt werden. Deshalb müssten Angehörige systematisch und als Partner auf Augenhöhe von Pflege und Medizin in den Versorgungsprozess einbezogen werden.
Das Bundeskabinett hatte in der vergangenen Woche das sogenannte Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) beschlossen. Auch die soziale Absicherung pflegender Angehöriger war im Zuge der Reform Thema. Im ursprünglichen Entwurf war vorgesehen, die Rentenbeiträge der Pflegeversicherung für pflegende Angehörige ab 2027 nur noch auf Grundlage von 70 Prozent der bisherigen beitragspflichtigen Einnahmen zu zahlen. Diese geplante Kürzung wurde im Kabinettsbeschluss wieder gestrichen. Die Pflegeversicherung übernimmt die Rentenbeiträge für pflegende An- und Zugehörige weiterhin in vollem Umfang.
Für die Angehörigen selbst ist die Pflege der ZQP-Erhebung zufolge häufig belastend. 53 Prozent fühlen sich psychisch belastet, 38 Prozent körperlich. 61 Prozent verschieben wegen der Pflege wichtige eigene Vorhaben, 42 Prozent vernachlässigen nach eigenen Angaben soziale Beziehungen. Bei Angehörigen von Menschen mit Demenz liegen die Werte mit 71 Prozent psychischer und 47 Prozent körperlicher Belastung noch höher.
Wie umfangreich die Unterstützung im Alltag ist, zeigt eine weitere Zahl der Studie: 85 Prozent der Befragten sagen, dass die pflegebedürftige Person bei komplexeren Alltagstätigkeiten fast immer Hilfe benötigt. Dazu gehören etwa Haushaltsführung, Verwaltungsaufgaben oder Arztbesuche.
Für die Studie wurden bundesweit 1.012 pflegende Angehörige im Alter von 40 bis 85 Jahren befragt. Sie mussten seit mindestens sechs Monaten mindestens einmal pro Woche eine Person ab 60 Jahren mit Pflegegrad zu Hause versorgen.