Russland-Geschäft deutscher Unternehmen nimmt weiter ab

Russland-Geschäft deutscher Unternehmen nimmt weiter ab - (Foto: Finanzviertel von Moskau (Archiv))
Der deutsch-russische Austausch hat seit dem Beginn des Angriffs Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 in vielerlei Hinsicht deutlich abgenommen. Im 1. Halbjahr 2026 hat Deutschland 96,4 Prozent weniger Waren aus der Russischen Föderation importiert als im 1. Halbjahr 2021, teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) am Mittwoch mit.

Im 1. Halbjahr 2026 wurden demnach Waren im Wert von gut 0,5 Milliarden Euro aus Russland importiert, im 1. Halbjahr 2021 beliefen sich die Importe von dort noch auf 15,0 Milliarden Euro. Auch die Exporte nach Russland sind deutlich gesunken: Mit -73,1 Prozent fiel der Rückgang im selben Zeitraum jedoch weniger stark aus als bei den Importen. Deutschland exportierte im zurückliegenden Halbjahr Waren im Wert von 3,4 Milliarden Euro nach Russland. Im 1. Halbjahr 2021 waren es noch gut 12,7 Milliarden Euro.

Die Europäische Union (EU) hat seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine eine Vielzahl von Sanktionen beschlossen, die den Handel mit Russland einschränken. Die bisherigen 21 Sanktionspakete der EU enthalten unter anderem Einfuhrverbote bestimmter Güter wie beispielsweise Energieträger oder Ausfuhrverbote insbesondere für industrie- oder militärnahe Güter, aber schränken auch den Zugang Russlands zu Kapital- und Finanzmärkten ein, schließen das Land vom Bankensystem SWIFT aus und verhängen Einreise- und Flugverbote sowie Einlaufverbote gegen die russische Schattenflotte.

Die Importe aus Russland im Gesamtwert von gut 0,5 Milliarden Euro setzten sich im 1. Halbjahr 2026 im Wesentlichen aus Nahrungs- und Futtermitteln (206,1 Millionen Euro oder 38,7 Prozent), aus Metallen (168,3 Millionen Euro oder 31,6 Prozent) sowie aus chemischen Erzeugnissen (95,9 Millionen Euro oder 18,0 Prozent) zusammen. Im 1. Halbjahr 2021 waren Erdöl und Erdgas mit Abstand die meistimportierten Güter aus Russland gewesen - mit einem Wert von 9,2 Milliarden Euro und einem Anteil von 61,5 Prozent. Weitere wichtige Importgüter im Vergleichszeitraum vor Kriegsbeginn waren Metalle (13,5 Prozent) sowie Kokerei- und Mineralölerzeugnisse (7,4 Prozent).

Bei den Exporten nach Russland im Gesamtwert von 3,4 Milliarden Euro entfiel im 1. Halbjahr 2026 ein Großteil auf pharmazeutische Erzeugnisse (1,5 Milliarden Euro oder 42,4 Prozent). Dahinter folgten Maschinen (11,1 Prozent) sowie Nahrungs- und Futtermittel (10,5 Prozent). Im 1. Halbjahr 2021 waren knapp ein Viertel aller deutschen Exporte nach Russland Maschinen (23,4 Prozent oder 3,0 Milliarden Euro) - vor Kraftwagen und Kraftwagenteilen (17,9 Prozent) sowie chemischen Erzeugnissen (11,3 Prozent).

Nicht nur im Außenhandel, sondern auch bei den auslandskontrollierten Unternehmen haben die deutsch-russischen Wirtschaftsverflechtungen abgenommen. Im Jahr 2024 gehörten 76 oder 0,2 Prozent der insgesamt gut 42.400 auslandskontrollierten Unternehmen in Deutschland zu einer Muttergesellschaft mit Sitz in Russland. Die von Russland aus kontrollierten Unternehmen erwirtschafteten einen Umsatz von 8,4 Milliarden Euro, das waren 0,4 Prozent der von auslandskontrollierten Unternehmen hierzulande erwirtschafteten Umsätze. Im Jahr 2021 hatten die 229 russisch kontrollierten Unternehmen noch einen Anteil von 0,7 Prozent an allen auslandskontrollierten Unternehmen hierzulande. Sie erwirtschafteten damals knapp 25,4 Milliarden Euro oder 1,3 Prozent der Umsätze aller auslandskontrollierten Unternehmen.

Auch das Geschäft deutscher Unternehmen in Russland nahm ab. Nach Angaben der Bundesbank waren 290 oder 0,9 Prozent der insgesamt gut 32.100 von deutschen Investoren kontrollierten Auslandsunternehmen im Jahr 2024 in Russland tätig. Dort erwirtschafteten sie einen Jahresumsatz von rund 13 Milliarden Euro oder 0,4 Prozent der Umsätze, die aus Deutschland kontrollierte Auslandsunternehmen weltweit erzielten. Im Jahr 2021 hatten die 481 aus Deutschland kontrollierten Unternehmen in Russland einen Anteil von 1,5 Prozent an allen Auslandsunternehmen deutscher Investoren und erwirtschafteten dort rund 38 Milliarden Euro oder 1,4 Prozent von deren Auslandsumsätzen weltweit.

Dass die deutsch-russischen Beziehungen abgekühlt sind, zeigt sich auch im Flugverkehr, so die Statistiker weiter. Wegen des bestehenden Direktflugverbots ging im 1. Halbjahr 2026 die Zahl der an deutschen Hauptverkehrsflughäfen startenden wie auch der dort landenden Fluggäste mit Direktverbindung nach und von Russland gegen null. Zum Vergleich: Vor den von Reisebeschränkungen geprägten Pandemiejahren hatte sowohl die Zahl der aus Russland ankommenden als auch die der dorthin abfliegenden Fluggäste mit Direktverbindung im 1. Halbjahr 2019 noch bei jeweils rund 1,0 Millionen Fluggästen gelegen.

Mit letztbekanntem Streckenziel Russland flogen im 1. Halbjahr 2026 noch gut 39.900 Fluggäste von deutschen Hauptverkehrsflughäfen ab - beispielsweise mit Umstieg in der Türkei oder anderen Drittstaaten ohne Direktflugverbot. Das waren 95,9 Prozent weniger als im 1. Halbjahr 2019 (gut 978.300 Fluggäste), vor den pandemiebedingten Einschränkungen des Flugverkehrs.

Das Verhältnis von Zuzügen und Fortzügen russischer Staatsangehöriger nach und aus Deutschland hat sich seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Frühjahr 2022 gedreht. Im 1. Halbjahr 2026 zogen mehr russische Staatsangehörige aus Deutschland fort (gut 4.400) als nach Deutschland zuzogen (gut 3.800). Zu Beginn des Angriffs Russlands auf die Ukraine im 1. Halbjahr 2022 überwogen die Zuzüge russischer Staatsangehöriger nach Deutschland (12.700) noch deutlich gegenüber den Fortzügen mit gut 3.400. Auch im Jahr 2021 vor dem Angriff, das pandemiebedingt noch von Reisebeschränkungen geprägt war, hatte es im 1. Halbjahr mehr Zuzüge (gut 5.300) als Fortzüge (knapp 3.700) russischer Staatsangehöriger gegeben.

Der verringerte Austausch zwischen Deutschland und Russland zeigt sich auch an Hochschulen hierzulande. Im Studienjahr 2025 begannen 1.700 russische Bildungsausländer ein Studium in Deutschland. Das waren 40 Prozent weniger als im Jahr 2021 (knapp 2.900). Im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau im Jahr 2019 mit damals 3.100 russischen Bildungsausländern fiel der Rückgang mit -45 Prozent noch größer aus. Im Vergleich zum Höchststand im Jahr 2014 (gut 3.500) hat sich die Zahl mehr als halbiert (-52 Prozent).


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