Mit Dr. Peter Christian Zinkann verliert die deutsche Wirtschaft eine jener seltenen Unternehmerpersönlichkeiten, die technologische Innovationskraft, unternehmerische Weitsicht und menschliche Verantwortung in außergewöhnlicher Weise miteinander verbanden. Der langjährige geschäftsführende Gesellschafter der Miele Gruppe verstarb nun im Alter von 98 Jahren. Über mehr als vier Jahrzehnte hinweg prägte er die Entwicklung des traditionsreichen Familienunternehmens und machte Miele zu einer weltweit anerkannten Marke für Qualität, Langlebigkeit und technische Exzellenz, berichtete das Deutsche-Wochenblatt.
Geboren 1928 in Bremen, kam Peter Christian Zinkann in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs nach Gütersloh, jener Stadt, die fortan zum Mittelpunkt seines Lebens und Wirkens werden sollte. Nach seinem Studium des Maschinenbaus an der Technischen Hochschule Darmstadt und wirtschaftswissenschaftlichen Studien in St. Gallen, ergänzt durch internationale Erfahrungen in den USA und auf einer Weltreise, trat er 1957 in das Unternehmen seines Großvaters ein. Gemeinsam mit seinem langjährigen Partner Rudolf Miele führte er das Unternehmen über Jahrzehnte durch Zeiten tiefgreifender technischer und gesellschaftlicher Veränderungen.
Unter seiner Führung entstanden zahlreiche Innovationen, die bis heute eng mit dem Namen Miele verbunden sind. Bereits 1958 brachte das Unternehmen die erste vollautomatische Frontlader-Waschmaschine auf den Markt. Später folgten Meilensteine wie Europas erster elektronisch gesteuerter Wäschetrockner, die bis heute legendäre Besteckschublade sowie die vielfach ausgezeichnete Schontrommel. Mehr als 130 Patente tragen seine Handschrift und dokumentieren den Erfindergeist eines Unternehmers, der sich nie mit dem Erreichten zufriedengab.
Doch Peter Christian Zinkann verstand Unternehmertum nie allein als wirtschaftliche Aufgabe. Sein Handeln war geprägt von der Überzeugung, dass Unternehmen den Menschen dienen und zugleich Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt übernehmen müssen. Langfristiges Denken, finanzielle Solidität und Verlässlichkeit galten ihm stets mehr als kurzfristige Erfolge. Diese Werte machten Miele nicht nur zu einem erfolgreichen Industrieunternehmen, sondern auch zu einem Vorbild für nachhaltiges Wirtschaften über Generationen hinweg.
Sein Engagement reichte weit über die Werkstore hinaus. Als Ehrenbürger der Stadt Gütersloh unterstützte er über Jahrzehnte soziale, kulturelle und gemeinnützige Projekte. Für seine Verdienste wurde er unter anderem mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die Laudatio würdigte dabei besonders seine Fähigkeit, wirtschaftliche Vernunft und menschliche Verantwortung miteinander in Einklang zu bringen – eine Fähigkeit, die heute selten geworden ist und die sein Lebenswerk umso bemerkenswerter erscheinen lässt.
Zurück bleibt das Vermächtnis eines Mannes, der Technik nie als Selbstzweck verstand, sondern als Möglichkeit, das Leben der Menschen besser zu machen. Sein Name wird untrennbar mit der Erfolgsgeschichte von Miele verbunden bleiben – als Erfinder, Unternehmer, Familienmensch und verantwortungsbewusster Bürger. Die deutsche Industrie verliert einen ihrer großen Patriarchen. Seine Haltung, seine Ideen und seine Werte werden jedoch weit über sein Lebensende hinaus nachwirken. Und so verliert mit ihm Miele nicht nur einen prägenden Unternehmer, sondern auch einen Bewahrer jener traditionsreichen Werte, die das Unternehmen seit seiner Gründung auszeichnen.