Landesbeauftragte ruft zu mehr Verständnis für unsichtbare Behinderungen auf

Landesbeauftragte ruft zu mehr Verständnis für unsichtbare Behinderungen auf - (Foto: Behinderten-Parkplatz (Archiv))
Düsseldorf - Chronische Erkrankungen, psychische Beeinträchtigungen oder neurologische Erkrankungen können den Alltag erheblich erschweren, ohne dass andere etwas davon bemerken. Darauf weist Claudia Middendorf, Beauftragte der Landesregierung für Menschen mit Behinderungen sowie für Patienten in Nordrhein-Westfalen, hin.

Zum Tag der unsichtbaren Behinderungen am 20. Oktober ruft Middendorf zu mehr Verständnis, Rücksichtnahme und gleichberechtigter Teilhabe auf. "Wir sehen Menschen jeden Tag, aber wir wissen nicht immer, was sie gerade bewältigen müssen. Wer gesund aussieht, ist nicht automatisch frei von Einschränkungen. Mir ist wichtig, dass wir einander mit Offenheit und Verständnis begegnen und nicht vorschnell urteilen. Niemand sollte sich dafür rechtfertigen müssen, dass der eigene Alltag manchmal mehr Kraft kostet, als andere vermuten", sagte Middendorf. Für Menschen mit unsichtbaren Behinderungen gehörten Vorurteile und fehlendes Verständnis häufig zu den zusätzlichen Belastungen.

Ob chronische Schmerzen, Erschöpfung, Reizüberflutung oder psychische Belastungen: Die Auswirkungen sind individuell verschieden und von außen nicht immer erkennbar. Wichtig sei, die Erfahrungen der Betroffenen ernst zu nehmen und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen; niemand sollte erst beweisen müssen, dass Unterstützung notwendig ist, bevor die eigenen Bedürfnisse anerkannt werden. Verständnis allein reiche jedoch nicht aus.

Auch die Rahmenbedingungen müssten stimmen, damit Menschen unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Das betreffe die Arbeitswelt ebenso wie Behörden, Bildungseinrichtungen und das Gesundheitswesen.

Flexible Arbeitszeiten, zusätzliche Pausen, reizärmere Umgebungen und eine verständnisvolle Kommunikation könnten wichtige Voraussetzungen dafür schaffen, dass Menschen ihre Fähigkeiten einbringen und selbstbestimmt leben können. Gerade im Gesundheitswesen sei es entscheidend, Beschwerden ernst zu nehmen und Patienten in ihrer individuellen Situation wahrzunehmen. "Inklusion bedeutet, Menschen nicht auf ihre Einschränkungen zu reduzieren, sondern ihnen die Teilhabe zu ermöglichen, die ihnen zusteht. Dafür brauchen wir nicht nur geeignete Rahmenbedingungen, sondern auch eine Haltung, die von Respekt und Menschlichkeit geprägt ist. Mein Wunsch ist eine Gesellschaft, in der niemand um Verständnis kämpfen muss, nur weil die eigene Beeinträchtigung nicht sichtbar ist. Lassen Sie uns weniger urteilen, mehr zuhören und einander mit dem Respekt begegnen, den wir uns selbst wünschen", appellierte Middendorf.