Geplant ist weiter der Start einer sogenannten "Alliance for the Future", wie es am Dienstag in einer Erklärung aus Brüssel hieß. Den Begriff hatte von der Leyen auch in derselben Rede vor dem EU-Parlament im September verwendet, in der sie einen Sonderstatus Kanadas ins Spiel brachte. Das hatte den Zorn von US-Präsident Donald Trump hervorgerufen, der ein entsprechendes Vorhaben als "feindseligen Akt" bezeichnete und mit Zöllen drohte. Und das, obwohl Kanadas Premierminister Mark Carney zuletzt betont hatte, sein Land strebe keine EU-Mitgliedschaft an.
Auf der Agenda in Montreal sollen nun unter anderem Handel, Digitales, kritische Rohstoffe, Verteidigung, Sicherheit sowie Bildung, Forschung und Jugend stehen, der Austausch auf allen Ebenen soll angekurbelt werden. EU-Ratspräsident António Costa kündigte an, man wolle die politischen, wirtschaftlichen und institutionellen Bindungen weiter vertiefen.
Die bisherige Grundlage der Partnerschaft zwischen der EU und Kanada bilden zwei 2016 unterzeichnete Abkommen: das Strategische Partnerschaftsabkommen (SPA) und das lange umstrittene Wirtschafts- und Handelsabkommen (CETA). Das SPA fördert bereits den politischen Dialog und die Zusammenarbeit bei internationalen Herausforderungen. CETA erleichtert den Handel, soll Zölle und Handelshemmnisse abbauen und die Bedingungen für Unternehmen und Investoren verbessern. Im Rahmen von CETA wurden Zölle auf 98 Prozent der Zolltarifpositionen abgeschafft, fast alle übrigen Zölle sollen schrittweise ebenfalls wegfallen. Im Jahr 2025 erreichte der Handel mit Waren und Dienstleistungen zwischen der EU und Kanada bereits ein Volumen von rund 130 Milliarden Euro - über 80 Prozent mehr als 2016.
Im Juni 2025 schlossen die EU und Kanada außerdem eine "Sicherheitspartnerschaft", um ihre Zusammenarbeit unter anderem bei Krisenmanagement, maritimer Sicherheit, Cyberbedrohungen und der Verteidigungsindustrie zu vertiefen. Kanada ist außerdem das einzige Nicht-EU-Land außerhalb Europas, das am EU-Verteidigungsinstrument "Safe" beteiligt ist. Dadurch können kanadische Unternehmen und Produkte unter bestimmten Bedingungen an gemeinsamen Beschaffungsprojekten der EU-Mitgliedstaaten teilnehmen.