Die Gewerkschaft Verdi hat im Tarifstreit des Großhandels mit einem Warnstreik im Lebensmittel- und Pharmahandel in Berlin und Brandenburg Druck auf die Arbeitgeber gemacht. Zum Warnstreik aufgerufen waren heute laut Verdi die Edeka-Lagerstandorte Freienbrink und Mittenwalde, das Penny-Lager Großbeeren, das Rewe-Lager Oranienburg und alle Metro-Märkte. Auch die Pharmahändler Alliance Healthcare und Phoenix in Berlin sowie Sanacorp in Potsdam wollten sich beteiligen. Rund 50 Beschäftigte machten laut Gewerkschaft bei einer Aktion im Penny-Logistikzentrum Ost in Großbeeren mit. Die Fronten bei den Tarifgesprächen scheinen derzeit verhärtet.
Keine Auswirkungen für Verbraucher erwartet
«Es wird schon zu ein paar Beeinträchtigungen kommen», sagte die Verdi-Landesfachbereichsleiterin Handel Berlin-Brandenburg, Conny Weißbach, der Deutschen Presse-Agentur. In den Läden sei das jedoch für Kunden nicht zu spüren. Verdi will mit den Aktionen darauf reagieren, dass die Arbeitgeber in der ersten Verhandlungsrunde kein Angebot vorgelegt hätten.
In den laufenden Tarifverhandlungen im Handel rief Verdi für diesen Freitag bundesweit zu Warnstreiks auf. Laut Gewerkschaft beteiligen sich mehr als 5.000 Beschäftigte aus dem Einzel-, Groß- und Außenhandel.
Verdi will 220 Euro im Monat mehr
Die Gewerkschaft verlangt für die mehr als 53.000 Beschäftigten im Berliner und Brandenburger Groß- und Außenhandel eine Steigerung der Löhne und Gehälter um 220 Euro im Monat, eine Laufzeit des Tarifvertrags von 12 Monaten und einen Anstieg der Ausbildungsvergütungen um 200 Euro. In Berlin sind rund 33.000 Menschen im Großhandel beschäftigt, in Brandenburg etwa 20.000.
«Die Beschäftigten stehen vor der Perspektive niedriger Renten», sagte Verhandlungsführerin Franziska Foullong. Die Beschäftigten litten zudem unter den gestiegenen Lebenshaltungskosten. Die Kommissionierer und Kraftfahrer für Gastronomie, Kitas und Seniorenheime verdienten rund 2.900 Euro brutto im Monat. In der ersten Verhandlungsrunde sei Zeit verloren gegangen, weil die Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt hätten.
Arbeitgeberverband: Forderung nicht finanzierbar
Die Arbeitgeber zeigten sich offen für eine Lösungssuche, wiesen aber die Forderung nach höherem Entgelt zurück. «Die Branche verzeichnet zunehmend Insolvenzen und täglichen Beschäftigungsabbau», sagte der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands für Großhandel und Dienstleistungen, Christian Kärgel, der dpa. Die Forderung nach Entgelterhöhung von zum Teil mehr als sieben Prozent ignoriere die Situation. «Sie ist für die Unternehmen schlicht nicht finanzierbar.» Das Ziel der Arbeitgeberseite sei, mit Verdi eine Lösung zu finden. Die nächste Verhandlungsrunde stehe am 26. Mai an.