In einem der sogenannten Problembezirke Berlins sitzt ein Mädchen über ihren Schulheften. Sie versteht den Text nicht, den sie lesen soll. Seit Wochen schon. Zu Hause kann ihr niemand helfen – die Mutter ist alleinerziehend, müde von zwei Jobs, der Vater längst verschwunden. Solche Kinder gibt es viele. Zu viele. Kinder, die unsichtbar werden, weil sie in Armut aufwachsen, weil niemand Zeit für sie hat. Kinder, die aufgeben, bevor sie überhaupt eine Chance hatten. Die Berliner Kinderhilfsorganisation SchutzengelWerk will genau das verhindern.
Eine Idee wird zur Bewegung
Was mit einer einfachen Idee begann, hat sich zu einer festen Größe in der Berliner Kinderhilfslandschaft entwickelt. Das SchutzengelWerk wurde 2013 gegründet – aus dem Wunsch heraus, Kindern aus finanziell schwachen Familien jene Chancen zu ermöglichen, die für andere selbstverständlich sind. Es sollte ein Ort entstehen, an dem Kinder Zuwendung, Förderung und eine warme Mahlzeit bekommen – aber vor allem eines: Aufmerksamkeit.
Heute gibt es fünf Standorte in Berlin und Brandenburg. Hier finden Kinder nach der Schule einen sicheren Platz, Menschen, die zuhören, loben, Mut machen. Denn viele der kleinen Gäste erleben zu Hause das Gegenteil: Überforderung, Einsamkeit, Sprachlosigkeit. Das Team rund um Geschäftsführerin Bianca Sommerfeld versucht, diesen Kreislauf zu durchbrechen – mit Geduld, Respekt und ehrlicher Zuwendung.
Wenn Lernen wieder Freude macht – Die „LernEngel“
Besonders eindrücklich zeigt sich die Wirkung in einem ihrer wichtigsten Projekte: den LernEngeln. Hier bekommen Kinder kostenlose Nachhilfe – einzeln oder in kleinen Gruppen, individuell betreut, mit viel Herz und Ausdauer. Für die meisten ist das die einzige Chance, Schulstoff wirklich zu verstehen. Seit der Corona-Pandemie hat sich die Lage dramatisch zugespitzt: Laut der IGLU-Studie 2023 erreicht inzwischen jedes vierte Grundschulkind nicht einmal den europäischen Mindeststandard im Lesen. Besonders betroffen sind Kinder aus bildungsfernen und armutsgefährdeten Familien.
Bei den LernEngeln werden genau diese Kinder aufgefangen. Sie lernen wieder, an sich zu glauben, Schritt für Schritt. „Wir merken sofort, wenn ein Kind bei Ihnen ist“, sagt eine Schulleiterin aus Eberswalde. „Es ist plötzlich aktiv im Unterricht, die Hausaufgaben sind gemacht, die Noten verbessern sich fast sofort.“ Was nach Pädagogik klingt, ist in Wahrheit Lebenshilfe. Denn jedes Erfolgserlebnis verändert nicht nur die Schulnoten – es verändert ein Kinderherz.
Warum so viele Kinder zu kurz kommen
Die Realität in vielen Berliner Familien ist hart: Alleinerziehende, die an der Armutsgrenze leben, Familien, die sich Nachhilfe oder Lernmaterialien schlicht nicht leisten können.
Staatliche Förderprogramme greifen zu spät oder gar nicht. Schulen kämpfen mit Personalmangel, Lehrer mit Überlastung. Kinder, die zu Hause keine Unterstützung finden, fallen durchs Raster. „Wir erleben täglich, dass Kinder eigentlich nur eins brauchen: jemanden, der an sie glaubt“, sagt Bianca Sommerfeld. „Viele kommen mit gesenktem Kopf, ängstlich, still. Und nach ein paar Wochen lachen sie wieder, erzählen, trauen sich, Fehler zu machen. Das ist unbezahlbar.“
Die Nachfrage wächst – die Mittel fehlen
Aktuell betreut das SchutzengelWerk an drei LernEngel-Standorten über hundert Kinder pro Woche. In Hohenschönhausen, Pankow und Eberswalde ist die Nachfrage so groß, dass längst nicht mehr alle aufgenommen werden können. Dabei wäre der Bedarf riesig – besonders in Quartieren mit hohem Armutsindex. Doch die Finanzierung reicht nicht, um alle Kinder zu versorgen. „Wir könnten sofort doppelt so viele aufnehmen“, so Sommerfeld. „Aber dafür fehlt das Geld – für Räume, Material, Personal. Es zerreißt uns das Herz, wenn wir Kinder wegschicken müssen.“
Ein Aufruf an Alle, die helfen wollen
Das SchutzengelWerk lebt von Spenden. Jeder Beitrag fließt direkt in die die Projekte für sozial benachteiligte Kinder – in Lernmaterialien, in Nachhilfeplätze, in warme Mahlzeiten. Denn hier geht es nicht um Statistik, sondern um echte Schicksale. Um Kinder, die ohne diese Hilfe auf der Strecke bleiben würden. Wer die Arbeit der „Schutzengel“ unterstützt, investiert in die Zukunft – in eine Generation, die sonst keine faire Chance hätte.
„Jedes Kind verdient einen Schutzengel“
Das Motto des SchutzengelWerks ist Programm. Hier geht es nicht um Mitleid, sondern um Mut. Um das Aufstehen nach jedem Rückschlag. Um die Gewissheit, dass ein Kind mehr ist als seine Herkunft. Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft, die das SchutzengelWerk in die Welt trägt: Dass jeder Mensch die Kraft hat, ein Engel für andere zu sein.
Weitere Informationen und Spendenmöglichkeiten unter: www.schutzengelwerk.de