In Russland verboten: Ballett «Nurejew» in Berlin gefeiert

Kirill Serebrennikow stellte das Projekt vor einem Jahr vor. Archivbild von Bernd von Jutrczenka/dpa

In Moskau wurde es unter politischem Druck abgesetzt, nun ist das Ballett «Nurejew» mit großem Jubel in Berlin gefeiert worden. Erstmals wurde die Inszenierung von Regisseur Kirill Serebrennikow und Choreograph Yuri Possokhov außerhalb Russlands gezeigt. Die Aufführung des Staatsballetts Berlin bekam am Samstagabend stehende Ovationen.

Das Stück erzählt von Rudolf Nurejew (1938-1993), der als einer der besten Balletttänzer des 20. Jahrhunderts gilt. Das Moskauer Bolschoi Theater strich das Stück über den schwulen russischen Tänzer 2023 unter politischem Druck aus dem Spielplan. Regisseur Serebrennikow zeigte die Produktion nun in Deutschland. Der rund zweieinhalbstündige Abend an der Deutschen Oper in Berlin erzählt vom Leben Nurejews, vom Beginn seiner Tanzkarriere, seiner Flucht zu Sowjetzeiten und seinem Tod nach einer Aidserkrankung. Als Rahmenhandlung dient die Aktion seines Nachlasses. Das Stück vereint Ballett, Oper und Schauspiel. 2017 war «Nurejew» uraufgeführt und 2023 dann nach Angaben des Bolschoi Theaters wegen des Verbots von Propaganda «nicht traditioneller Werte» aus dem Repertoire genommen worden.

Welche Szenen in Moskau plötzlich problematisch waren

Zu sehen waren etwa homosexuelle Szenen und Männer in Frauenkleidern und auf Absatzschuhen. Derartige Verstöße gegen das von Kremlchef Wladimir Putin unterzeichnete Gesetz, das etwa positive Darstellungen von Homosexualität verbietet, werden mit hohen Geldstrafen geahndet. Auch Verlage und Buchhandlungen haben deshalb Werke aus dem Angebot genommen, darunter Klassiker der Weltliteratur. Homosexualität selbst ist in Russland nicht verboten. Serebrennikow, der Russlands Krieg gegen die Ukraine scharf kritisiert hatte, verließ angesichts der politischen Verfolgung seine Heimat. Mit seinem stets ausverkauften Ballett «Nurejew» hatte er gleich vier Auszeichnungen beim renommierten Tanzpreis Benois de la Danse erhalten. In Berlin hat er es nun unter großem Applaus wieder aufleben lassen.


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