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Zum Sankt Martinstag: Gans oder gar nicht?

Gänse laufen über eine Wiese. Foto: Carsten Rehder/dpa

Potsdam (dpa/bb) - Am Montag ist Sankt Martinstag und gleichzeitig der Beginn der Gänsesaison für den Gänsehof Klaistow (Potsdam-Mittelmark). Seitdem der Hof 2016 Freilandgänse halte, sei die Nachfrage gestiegen, sagte die Marketingverantwortliche des Hofes, Miriam Ladewich. «400 Freilandgänse wurden für die diesjährige Saison bestellt» erklärte sie. Das Kilo Freilandgans koste im Hofladen 13,90 Euro - rund 50 Cent mehr als noch im Vorjahr.

Die Kilopreise für Gänse seien insgesamt in Deutschland in den vergangenen Jahren gestiegen, sagte die Sprecherin vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, Christiane von Alemann. Verbraucher, die 2017 eine Gans direkt vom Gänsehof kauften, mussten demnach durchschnittlich 13,31 Euro zahlen - rund 1,50 Euro mehr als noch 2013.

«Für 2018 und 2019 liegen uns aktuell noch keine Zahlen vor», sagte von Alemann. «Es ist jedoch jeweils mit einer Preissteigerung im Vergleich zum Vorjahr zu rechnen - aufgrund gestiegener Erzeugungskosten wie Lohn und Futter.»

Höhere Preise sind nach Angaben der Sprecherin auch Folge der großen Sommerhitze. Es habe weniger Frischfutter zur Verfügung gestanden, dementsprechend mussten die Bauern mehr Konzentratfutter wie Getreide einsetzen, was höhere Kosten verursacht. Frische Gänse seien jedoch mittlerweile eine Delikatesse, für die die Verbraucher höhere Preise akzeptierten, sagte von Alemann.

Die Tierschutzpartei bewertet die Tradition am Martinstag kritisch und ruft zum Verzicht auf die Martinsgans auf. «Das Leben der Gänse ist zu kurz, leidvoll und endet mit dem oft unbetäubten Tod», sagte Pressesprecherin Patricia Kopietz. Wirtschaftliche Interessen stünden vor dem Wohl der Tiere. Laut Kopietz sind die Konsumenten nicht bereit, deutlich mehr als aktuell für Fleisch zu bezahlen. «Die Tiere bezahlen es mit unsäglichen Lebens-, Haltungs- und Schlachtbedingungen.»

Von Alemann vom Deutschen Geflügelbund hielt dem entgegen, die Bedingungen für Gänse in anderen EU-Ländern seien unsäglich - in Deutschland aber nicht. Hier erfolge die Gänsehaltung naturnah in bäuerlicher Freilandhaltung. «Die Tiere können sich frei in einer naturnahen Umgebung bewegen und haben ständigen Zugang zu Wasser und Futter», sagte sie.

Die Tradition, am Martinstag eine Gans zu essen, ist auf den Namensgeber des Tages zurückzuführen. Der heilige Sankt Martin soll sich aus Bescheidenheit in einem Gänsestall versteckt haben, als er zum Bischof geweiht werden sollte. Das Geschnatter der Gänse soll ihn allerdings verraten haben. So besagt es zumindest die Legende, wie auf dem Internetportal der katholischen Kirche zu lesen ist.

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