Bericht:

Was wird aus dem Checkpoint Charlie? Touristennepp und Gedenkort!

Berlin 1961: Sowjetische (hinten, T 54) und amerikanische (vorn) Panzer stehen sich an der Berliner Sektorengrenze in der Friedrichstraße gegenüber. Foto: dpa
Vermischtes: -

Am Checkpoint Charlie in Berlin standen sich nach dem Mauerbau 1961 Panzer gegenüber, er war ein weltweit bekanntes Symbol der deutschen Teilung. Heute können Besucher die Bedeutung des einstigen Grenzkontrollpunkts an der Friedrichstraße aber kaum nachvollziehen. 57 Jahre nach dem Bau der Mauer und 28 Jahre nach ihrem Fall ist der Ort ein Touristenmagnet. Doch originale Reste des DDR-Grenzregimes gibt es nicht auf dem provisorisch wirkenden Areal irgendwo zwischen Geschichtsvermittlung, Touristennepp und Kommerz. Vor einer nachgebauten Kontrollbaracke der US-Army posieren falsche Soldaten mit US-Fahne, kassieren drei Euro für ein Foto. Ein Schild warnt wie früher: «Sie verlassen jetzt den amerikanischen Sektor.» Eine Kopie.

Das Original befindet sich im privaten Mauer-Museum wenige Meter entfernt, dessen Souvenirshop von Mauerrest bis Plastik- Trabi-Modell keine Wünsche offen lässt. Neben der Rotunde des Künstlers Yadegar Asisi mit dem Panorama, das einen Tag im geteilten Berlin darstellt, bietet «Die Bude» Currywurst und Pommes feil. Ein Straßenhändler versucht, Gasmasken und Militärmützen loszuwerden.

Auf einer Brache gegenüber informiert eine «Black-Box», die der Senat als «Gegenpol zur Banalisierung» aufstellte, an den Kalten Krieg. Daneben lädt «Charlies Beach» zum «Chill out» ein. Eingerahmt wird das Areal, auf dem auch Wechselstube und Fast-Food-Restaurants nicht fehlen, von Schautafeln mit historischen Fotos und Erklärungen. «Dem Ort fehlt seit 28 Jahren ein klares Gestaltungskonzept», beklagt der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier. Andere sprechen von einer Art «Disneyland», 200 Meter vom Mahnmal für das erschossene Maueropfer Peter Fechter entfernt. Unzufrieden mit dem Ist-Zustand ist auch der Berliner Senat. «So wie der Checkpoint Charlie heute genutzt und erlebt wird, ist er zwar ein Ort, der Besuchermassen anzieht, aber in seiner provisorischen Gestaltung und überwiegend touristischen Nutzung sehr zwiespältig beurteilt wird», sagte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke). Er wirke «etwas chaotisch und teilweise überkommerzialisiert.»

Ist nun Besserung in Sicht? Womöglich, denn die Politik und ein privater Investor, der auf dem Areal nach mehreren Eigentümerwechseln bauen will, haben sich nunmehr auf Eckpunkte für die Gestaltung verständigt. Demnach soll das Ausmaß der Grenzübergangsstelle auch in Zukunft deutlich werden, ein «urbaner Platz mit Freiflächen» entstehen. Zudem soll in einem der neuen Gebäude ein Museum als «Bildungs- und Erinnerungsort» eingerichtet werden.

Die oppositionelle CDU spricht von «undurchsichtigen Absprachen», Stiftungsdirektor Klausmeier dagegen von einer «großen gemeinsamen Anstrengung» von Senat und Investor. Die Chance, die historische Dimension des Ortes angemessen zu erklären, rücke damit in greifbare Nähe. Dass die Ausstellung im Untergeschoss eines Bürobaus gezeigt werden soll, stört manche, nicht aber Klausmeier. Man müsse eben von außen auf sie aufmerksam machen. Die Stiftung entwickelt ein Konzept für das Museum. Wann es gebaut und eröffnet wird, ist noch offen.

Rückblick: Wenige Wochen nach dem Mauerbau hält die Welt den Atem an. Am Checkpoint fahren am 27. Oktober 1961 nach amerikanischen auch sowjetische Panzer auf. 16 Stunden stehen sich die Supermächte mit scharfer Munition frontal gegenüber - nur Meter voneinander entfernt. Es war einer der gefährlichsten Momente des Kalten Krieges. Aus dem Kräftemessen hätte schnell ein neuer Krieg werden können.

Seine Namen verdient der Checkpoint Charlie, den die DDR zum festungsartigen Bollwerk an ihrer «Staatsgrenze» ausbaute, dem Nato-Alphabet: Für die Westalliierten war er nach Helmstedt (A) und Drewitz (B) der Kontrollpunkt C wie Charlie. Nur Ausländer, Diplomaten und alliiertes Militärpersonal konnten die innerstädtische Nahtstelle zwischen Ost und West passieren. Heute stehen Touristen aus aller Welt gebannt vor Schautafeln oder lassen sich von Reiseführern in die Zeit der Teilung versetzen. Viele wollen «The Wall» sehen und sind enttäuscht. Der Pflasterstreifen im Boden, der den Mauerverlauf nachzeichnet, wird von vielen nicht wahrgenommen.

«Hier war die Mauer? Wow, das hätte ich nicht gedacht», sagt die 26-jährige Amira aus dem US-Bundesstaat North Carolina. Pietro Lensi (54) aus Italien vermisst Mauerreste und ein Mahnmal an dem Platz: «Das sollte man anders machen hier.» Lucy Gilcrest (32) aus England findet: «Ein beeindruckender Ort, aber ganz schön touristisch.» Originale Mauer an der Bernauer Straße? Nein, davon haben alle drei noch nicht gehört. Tatsächlich ist es schwer, Zeugnisse der Teilung noch zu erleben. In der Euphorie nach dem Mauerfall wurden große Teile des monströsen Betonwalls samt Wachtürmen und Signalanlagen abgerissen, geschreddert oder verkauft. Grundstücke - teils in bester Innenstadtlage - gingen an private Investoren. Das Nachdenken kam erst später.

Außer der Mauergedenkstätte Bernauer Straße gehört die East Side Gallery zu den Erinnerungsorten, auch der Mauerabschnitt am Martin- Gropius-Bau - und eben der Checkpoint Charlie. Das dort geplante Museum zur Geschichte des Kalten Krieges ist das letzte noch offene Projekt des Berliner Konzepts zum Mauergedenken, das auf dezentrale Gedenkorte setzt.

«Wichtig ist, dass mit dem Museum am historisch bedeutenden Ort hier zukünftig Geschichte sichtbar wird und auch vermittelt wird», unterstreicht Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Auch aus Sicht der Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Anna Kaminsky, müssen Erinnerungsorte mehr sein als reine Touristenmagnete. Historiker Klausmeier stellt sich den Checkpoint künftig als «Vernetzungsort» vor. Von hier aus könne auf weitere Orte der Teilungsgeschichte verwiesen werden. Schließlich sei Berlin «das größte zeithistorische Freilichtmuseum der Welt». (dpa)

Zurück zur Liste


Weitere Nachrichten des Tages aus Deutschland und der Welt!

Bericht:
Unternehmens/Wirtschaftsnachrichten: -

Der Wertverlust von gebrauchten Leasing-Fahrzeugen im Zuge der Dieselkrise belastet das Kraftfahrzeuggewerbe zunehmend. Die sogenannten Leasing-Rückläufer, die in der Regel nach drei Jahren zurück an den Handel gingen, könnten nur zum deutlich geringeren Marktwert verkauft werden, sagte ein Sprecher des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) der Deutschen Presse-Agentur. Die ... Weiterlesen!

Autohäuser unter Druck: Kfz-Gewerbe leidet unter Dieselkrise!
Autohäuser unter Druck: Kfz-Gewerbe leidet unter Dieselkrise. Foto: Sebastian Kahnert dpa
Bericht:
Charlottenburg-Wilmersdorf: -

Die Polizei hat einen Raser auf der Stadtautobahn A 100 in Berlin-Charlottenburg gestoppt. Der Autofahrer war am Sonntagabend mit Tempo 142 unterwegs, erlaubt waren an der Stelle in Höhe Goerdelersteg 80 Kilometer pro Stunde. Dem Fahrer drohen nun ein Bußgeld von mindestens 480 Euro, drei Monate Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg. Polizeibeamte hatten am Sonntagnachmittag auf der A 100 in ... Weiterlesen!

Mit Tempo 142 über die Stadtautobahn unterwegs!
Mit Tempo 142 über die Stadtautobahn. Foto: Soeren Stache/Archiv dpa
Bericht:
Gesundheit und Tipps: -

Krankenkassen und Ärzte haben sich mit dem Gesundheitsministerium einem Bericht zufolge auf ein Grundkonzept für die elektronische Patientenakte geeinigt. Die Akteure im Gesundheitswesen hätten die Schaffung gemeinsamer Standards verabredet, berichtete das «Handelsblatt» unter Berufung auf eine dreiseitige Absichtserklärung. Sollten sich Kassen und Ärzte wie in der Vergangenheit gegenseitig ... Weiterlesen!

Einigung auf digitale Standards bei E-Patientenakte!
Einigung auf digitale Standards bei E-Patientenakte. Foto: Patrick Pleul/Symbolbild dpa
Bericht:
Stars und Events: -

Wenn die Heavy-Metal-Band «Slave to Sirens» ihre laute und aggressive Musik spielt, ist das für die männlich dominierte Gesellschaft im Libanon ungewöhnlich. Denn: Alle fünf Bandmitglieder sind junge Frauen. Mit ihren Liedern über Korruption, die Gesellschaft und die Stärkung von Frauen zeigen sie, dass sie es auch im Libanon schaffen, ein Publikum zu begeistern und einen Platz in dem von Männern ... Weiterlesen!

Weibliche Metal-Band mischt Musikszene auf!
Sheryline Beshara (l-r), Lialas Mayassi und Drummerin Tatyana Boughaba von Slave to Sirens lieben Heavy Metal. Foto: Marwan Naamani dpa
Bericht:
Stars und Events: -

Willkommen auf der MS Paternoster! „Mord und Meuterei" verspricht sowohl spannende wie vergnügliche Stunden für die Passagiere in maritimem Setting des Gästehauses Blumenfisch am Großen Wannsee. Zum Captain's Dinner serviert der Schiffskoch entsprechende kulinarische Genüsse wie Krabbencocktail, Kürbissuppe, geräucherte Eismeerforelle und gefüllte Windbeutel. Kulinarischer Höhepunkt einer jeden ... Weiterlesen!

Kriminal-Dinner "Mord und Meuterei" am Ufer des Wannsee!
Kriminal-Dinner "Mord und Meuterei" am Ufer des Wannsee. Foto von Ines Schilgen PR Management
Bericht:
Welt News: -

US-Präsident Donald Trump hat der EU erneut feindseliges Verhalten in Handelsfragen vorgeworfen. «Die Europäische Union wurde gebildet, um uns beim Handel auszunutzen», sagte Trump in einem am Sonntagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview des US-Sender CBS. «Und das ist, was sie getan haben.» Er fügte hinzu: «Niemand behandelt uns viel schlechter als die Europäische Union.» Trump und ... Weiterlesen!

Trump: EU wurde gebildet, um die USA beim Handel auszunutzen!
Wirft der EU erneut feindseliges Verhalten in Handelsfragen vor: US-Präsident Donald Trump. Foto: Evan Vucci/AP düa
Bericht:
Reinickendorf: -

Der im Märkischen Viertel tödlich verletzte Junge ist von einem Baumstumpf getroffen worden. Das sagte ein Sprecher der Polizei am Montagmorgen und bestätigte damit vorige Medienberichte. Der Achtjährige sei von einem Teil eines zersägten Baumes getroffen worden. Das Holzstück war am Sonntagnachmittag aus großer Höhe aus dem Fenster eines 15-geschossigen Hochhauses gefallen. Der Junge starb noch ... Weiterlesen!

Polizei: Achtjähriger Junge in Reinickendorf wurde von Baumstumpf erschlagen!
Achtjähriger Junge wurde von Baumstumpf erschlagen
Bericht:
Steglitz-Zehlendorf: -

Beim Versuch einen Linienbus zu erreichen, ist ein 18 Jahre alter Mann in Berlin-Lankwitz von einem Auto erfasst und schwer verletzt worden. Nach ersten Erkenntnissen kletterte der 18-Jährige am Sonntagabend über eine Fußgängerabsperrung, um die Fahrbahn der Gallwitzallee zu überqueren, teilte die Polizei am Montagmorgen mit. Beim Überqueren der Straße wurde der junge Mann von dem Wagen einer ... Weiterlesen!

Mann von Auto in Lankwitz angefahren und schwer verletzt!
Mann von Auto in Lankwitz angefahren und schwer verletzt. Foto: Sebastian Gollnow/Archiv dpa
Bericht:
Steglitz-Zehlendorf: -

Nach einem nächtlichen Streit in einem Bus in Berlin-Steglitz sind zwei junge Männer mit einem Messer verletzt worden. Ersten Ermittlungen zufolge hatten sich ein 20-Jähriger und ein 24-Jähriger mit zwei 17-Jährigen gestritten, teilte die Polizei mit. Dann verließen sie am frühen Sonntagmorgen alle den Bus der Linie M48 und es entwickelte sich eine Auseinandersetzung auf der Schloßstraße. Der ... Weiterlesen!

Steglitz: Zwei Männer mit Messer auf der Schloßstraße verletzt!
Steglitz Zwei Männer mit Messer auf der Schloßstraße verletzt. Symbolfoto BSB
Bericht:
Stars und Events: -

Der Schauspieler und Kabarettist Günter Pfitzmann («Praxis Bülowbogen») bekommt 15 Jahre nach seinem Tod eine Gedenktafel in Berlin. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) will die Tafel heute in der Zietenstraße 22 in Schöneberg enthüllen. Dort befand sich die Praxis der ARD-Fernsehserie «Praxis Bülowbogen», mit der Pfitzmann einer der beliebtesten Darsteller der Bundesrepublik wurde. Pfitzmann ... Weiterlesen!

Gedenktafel in Berlin für Günter Pfitzmann!
Der Schauspieler und Kabarettist Günter Pfitzmann (Foto von 1992). Foto: Carsten Rehder/Archiv dpa