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Vor Rückgaben von kolonialem Raubgut: Delegation bei Bronzen

Rundgang der nigerianischen Kulturdelegation bei den Benin-Bronzen in Dahlem in Berlin. Foto: Florian Gaertner/SPK/Photothek.De/dpa

Berlin (dpa) - Die Pläne für Rückgaben von als Raubgut geltenden Benin-Bronzen aus deutschen Museen an Nigeria werden konkreter. Nach dem Besuch einer nigerianischen Delegation zeigte sich Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zuversichtlich. «Unser erklärtes Ziel sind substanzielle Rückgaben von Objekten aus dem historischen Königreich Benin nach Nigeria schon im Jahre 2022 - und diesem Ziel kommen wir mit jedem Gespräch einen Schritt näher», sagte er am Donnerstag nach Angaben der Stiftung.

In Berlin hatte die Delegation auch Gelegenheit, einige der wertvollen Kunstobjekte direkt in Augenschein zu nehmen. Das zur Stiftung gehörende Ethnologische Museum Berlin verfügt allein über rund 500 historische Objekte aus dem Königreich Benin, darunter etwa 400 Bronzen. Die Objekte aus dem Palast des damaligen Königreichs Benin sind in zahlreichen deutschen Museen zu finden. Auch im Berliner Humboldt Forum sollen sie ausgestellt werden. Die Kunstwerke stammen größtenteils aus den britischen Plünderungen des Jahres 1897.

Auf nigerianischer Seite koordiniert der Legacy Restoration Trust die Gespräche mit Deutschland. «Für viele Leute in der nigerianischen Delegation ist es das erste Mal, dass wir uns mit einer größeren Gruppe von Museen hier in Deutschland treffen und direkt von ihnen hören, wie sehr sie sich für die Rückgabe der Objekte einsetzen», sagte Phillip Ihenacho, Vorstandsvorsitzender des Trusts, nach den Gesprächen. Es gebe «eine Menge Skepsis» in bestimmten Kreisen in Nigeria, ob das jemals passieren werde. «Daher war es aus unserer Sicht großartig zu sehen, wie bereitwillig die Museen nicht nur bei der Rückgabe von Objekten sind, sondern auch bei der Zusammenarbeit nach der Rückgabe von Objekten.» Dies sei sehr wichtig für den Aufbau einer neuen Institution.

Auch Parzinger betonte die Wichtigkeit des Besuchs der nigerianischen Partner in Berlin. «Dieses Tempo der Gespräche müssen wir jetzt beibehalten.» Dann könnten im nächsten Jahr im geplanten ersten Bauteil des Edo State Museums of West African Art Objekte zu sehen sein, die sich heute noch in Berlin befinden. «Die Roadmap, die 2022 zu den geplanten Rückgaben führen soll, nimmt allmählich konkrete Formen an.»

Nach Jahrzehnten der Verzögerung auf politischer und musealer Ebene und zuletzt jahrelang zähen Gesprächen hatte eine Runde von Museumsexperten und politisch Verantwortlichen Ende April erste Rückgaben von Benin-Bronzen für 2022 angekündigt. Mit den aktuellen Treffen in Berlin und zuvor in Benin-City sollen konkrete Handlungsschritte und ein Fahrplan für die Rückführung der wertvollen Kunstschätze entwickelt werden. Zunächst beteiligt sind das Linden-Museum (Stuttgart), das Museum am Rothenbaum (Hamburg), das Rautenstrauch-Joest-Museum (Köln), das Völkerkundemuseum Dresden sowie das Ethnologische Museum Berlin.

Die Delegation aus Nigeria stellte auch die Pläne für das in Benin-City geplante Museum vor. Deutschland unterstützt dies durch gemeinsame Qualifikation und Weiterbildung von Museumsfachleuten und durch eine Beteiligung am Museumsbau. Für die archäologischen Aufbereitung des Geländes und den Aufbau eines archäologischen Zentrums stellt Deutschland zunächst 4,5 Millionen Euro bereit.


 
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