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Vierter Berliner Autobahnbär steht

Vierter Berliner Autobahnbär steht. Foto: Carsten Koall/dpa

Im Mittelstreifen der Autobahn darf eigentlich nichts und niemand stehen, aus Sicherheitsgründen. In Berlin werden dabei allerdings Ausnahmen gemacht: Wer die Landesgrenze von Brandenburg kommend passiert, den begrüßen bislang an drei Standorten Bären-Statuen zwischen den Leitplanken. Sie zeigen: Hier ist Brandenburg vorbei, es beginnt die Hauptstadt. Am Dienstag kam nun eine weitere Figur hinzu. Ein Kran hob den vierten Berliner Autobahnbären auf einen Sockel im Mittelstreifen der A114, zwischen dem Autobahndreieck Pankow und der Anschlussstelle Schönerlinder Straße. Allerdings ist er noch versteckt in einer Kiste. Sehen können Vorbeifahrende die 1,6 Meter und rund 250 Kilogramm schwere Statue erst ab dem 1. November. Dann wird sie feierlich enthüllt.

Im Mittelstreifen der Autobahn darf so etwas aber eigentlich gar nicht aufgestellt werden. «Das hat mit Unfallvermeidung zu tun», erklärt Ralph Brodel, Pressesprecher der Niederlassung Nordost der Autobahn GmbH des Bundes. «Im Mittelstreifen hat nichts etwas verloren, was da nicht zwangsläufig stehen muss.» In Berlin gebe es aber eine sehr «spezielle Tradition» mit den Autobahnbären, die werde gepflegt.

«Nach der Teilung Berlins hatten viele Westberliner Sorge, ob die Stadt überleben wird», sagt Brodel. «Der damalige Bürgermeister Ernst Reuter wollte deswegen Werbung für West-Berlin machen.» Auf den westdeutschen Autobahnen sollten alle 100 Kilometer viereckige Meilensteine aufgestellt werden, mit dem Berliner Wappentier eingraviert.

Das Relief für die Bären-Gravur stammte von der bekannten Berliner Künstlerin Renée Sintenis (1888-1965). Sie griff dafür auf eine von ihr bereits im Jahr 1932 verwirklichte Statue zurück. Dieser sogenannte «Junge Bär» wurde auch bekannt als Siegestrophäe der Berlinale von 1953 bis 1956, welche aber im darauf folgenden Jahr durch einen neuen Entwurf von Sintenis ersetzt wurde.

Der neue Entwurf war dann auch Vorlage für den ersten Autobahnbären in Berlin: Zu ihrem 70. Geburtstag ehrte Berlin die Künstlerin 1958 auch mit der Bronzestatue auf dem Mittelstreifen der A115 bei Dreilinden, von wo er seither Reisende aufrecht stehend und mit erhobenen Tatzen grüßt. Ein weiterer Sintenis-Bär steht auf der A113 in Treptow.

Der Autobahnbär auf der A111 dagegen sieht anderes aus. Aus urheberrechtlichen Gründen konnte damals nicht der Sintenis-Bär aufgestellt werden, erklärt Brodel. Der Bildhauer Günter Anlauf schuf daher einen Bären, der etwas faul auf seinem Sockel sitzt, von dem das linke Bein lässig herunterbaumelt.

Der neue Autobahnbär wurde wie die anderen zwei Sintenis-Bären in der Berliner Gießerei Noack gegossen, die seit Beginn der Filmfestspiele auch die Berlinale Bären fertigt, sagt Brodel. Möglich geworden sei die Aufstellung im Rahmen der Erneuerung der A114 in dem Abschnitt. Auf lange Sicht werde es aber wohl kein weiteres Exemplar geben.

Die einzige Ausnahme ist Berlin mit seinen Autobahnbären übrigens nicht. Nach Wissen des Vereins Berliner Bärenfreunde, der sich mit der Geschichte des Berliner Wappentiers befasst, gab es in der Vergangenheit mehrerer solcher Statuen. Neben den Berliner Figuren steht davon nach Angaben von Brodel aber nur noch ein Bär auf dem Mittelstreifen - auf der A9 auf Münchner Stadtgebiet. Der damalige Regierende Bürgermeister Berlins, Willy Brandt, hatte ihn 1962 im Rahmen der Berlin-Woche in München enthüllt.