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Unseriöser Handel mit kleinen Hunden boomt seit Corona-Krise

Ein Labrador-Welpe liegt auf einem Teppich. Foto: Insa Kohler/dpa

Berlin (dpa/bb) - Treue braune Augen, eine feuchte Schnauze und flauschiges Fell - bei dem Anblick wird so manchem weich ums Herz. Besonders in der Corona-Pandemie wünschen sich viele Menschen einen tierischen Begleiter an ihrer Seite. Doch bei der Suche nach dem richtigen Tier landen etliche bei dubiosen Händlern. Das Resultat: Der unseriöse und teils illegale Welpenhandel boomt.

Laut dem Deutschen Tierschutzbund hat die gestiegene Nachfrage nach Haustieren im Corona-Jahr 2020 das unerlaubte Geschäft mit den Vierbeinern massiv angekurbelt. «Die Zahl der illegal gehandelten Hunde hat sich im Vergleich zu 2019 fast verdreifacht», sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Und 2021 scheint nicht besser zu werden: «Fast jeden Tag hat man das Gefühl, dass Tiere beschlagnahmt werden müssen.»

Laut der Tierschutzorganisation Vier Pfoten dürfen Hunde frühestens im Alter von 15 Wochen aus dem Ausland einreisen, weil sie einen ausreichenden Impfschutz gegen Tollwut haben müssen. Eine Impfung sei erst bei 12 Wochen alten Hunden möglich. Danach muss sich noch der Impfschutz aufbauen. Daher seien die Papiere der Tiere oft gefälscht.

Berlin ist dabei eines der stark betroffenen Bundesländer. «Eine hohe Anzahl der Welpen, die eingeführt werden, kommt aus Polen», berichtet Annette Rost vom Tierschutzverein für Berlin. «Dieses Jahr hatten wir schon über 60 Welpen aus illegalem Handel hier.» Das Geschäft werde immer professioneller. Die Händler würden sich teilweise Wohnungen anmieten und Zertifikate fälschen.

Doch es gibt auch Proteste. Tierschützer stellten am Dienstagabend 200 Holzkreuze und Grablichter vor dem Brandenburger Tor auf, um an die Tiere zu erinnern, die Opfer des Geschäfts wurden. Vier Pfoten fordert eine Pflicht, Welpen mit einem Chip zu kennzeichnen. Zudem sollen die kleinen Vierbeiner nicht mehr - wie bislang - auf Onlineportalen angeboten werden dürfen.

Auf diesem Weg kam etwa Hündin Luna zu ihren Besitzern. «Wir haben sie vor zwei Jahren auf Ebay-Kleinanzeigen gefunden», erzählte Katharina Heibel bei der Protestaktion. «Kurz nachdem wir sie hatten, hat sie Durchfall bekommen und sich übergeben.» Eine Tierärztin sagte, die Hündin stamme wohl von einem unseriösen Händler aus dem Ausland. Luna wurde nach teurer Klinik-Behandlung wieder gesund.

Model Alena Gerber hat hingegen einen mutmaßlich illegal gehandelten Welpen verloren. «Mein Hund wurde immer schlapper und bekam Schaum vor dem Mund», erinnerte sich die 31-Jährige am Dienstag. «Nach einer Nacht in der Klinik ist er gestorben.» Seitdem setzt sich Gerber gegen das illegale Geschäft mit den Vierbeinern ein.

Das Problem hat inzwischen auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft erreicht. «Hundewelpen sind in der Corona-Pandemie noch mehr gefragt als sonst», sagte eine Sprecherin. Entsprechende Portale im Internet sind voll mit Anzeigen für Hunde und Katzen. Nicht alle davon kommen von vertrauenswürdigen Händlern. Viele der Tiere würden - meist im Ausland - unter tierschutzwidrigen Bedingungen aufgezogen und nach Deutschland transportiert.

«Zu früh werden die Welpen häufig vom Muttertier getrennt, werden weder entwurmt noch mit wichtigen Impfungen versorgt und zudem tierschutzwidrig transportiert und schlecht versorgt», so die Sprecherin. Das würden Käufer aber häufig erst später sehen - wenn die Welpen schwer erkranken. Im Kampf gegen die unseriösen Geschäfte arbeitet das Bundesministerium an einer Branchenvereinbarung der Verkaufsplattformen mit klareren Regeln für den Online-Tierhandel.

Doch wie können Tierkäufer erkennen, ob alles mit rechten Dingen zugeht? «Faustregel ist, keinen Hund übers Internet zu kaufen», sagte Schmitz. «Man kann sich dort informieren, aber danach sollte man ins Tierheim oder zu Züchtern gehen.» Es müsse immer möglich sein, das Tier vorab zu besuchen. «Auch wenn man Welpen retten will, sollte man die Polizei rufen und keine Tiere von undurchsichtigen Händlern kaufen», so die Tierschützerin. «Damit befeuert man nur das System.»

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