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Ukraine fordert militärische Unterstützung aus Deutschland

Ukraine fordert militärische Unterstützung aus Deutschland

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat die Bundesregierung aufgefordert, Waffen an sein Land zu liefern. "Daher fordern wir von der Ampel-Regierung, die bestehende - moralisch absolut verwerfliche - Blockadehaltung aufzugeben, und die Ukraine dringend mit notwendiger Verteidigungsrüstung zu versorgen. Wir haben volles Recht auf Selbstverteidigung", sagte Melnyk den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Nur die sofortige verstärkte Lieferung von Defensivwaffen an die Ukraine, um ihre Verteidigungsfähigkeit zu erhöhen, wäre ein echter Game-Changer", fügte Melnyk hinzu. "Deutschland trägt die gleiche historische Verantwortung für die Ukraine wie für Israel. Daher erwartet man in Kiew massive militärische Unterstützung Deutschlands, um den Preis für Putins bevorstehenden Angriff in die Höhe zu treiben und diesen noch zu verhindern."

Die Gefahr einer russischen Invasion in die Ukraine sei unverändert hoch, betonte der ukrainische Botschafter. "Alle Warnlichter blinken grellrot. Das Schlimmste ist, dass Putin nicht nur fähig ist, wieder massiv militärisch einzumarschieren, sondern auch willens ist, diese neue Invasion zu wagen, um die ukrainische Staatlichkeit zu zerstören. Diese imminente Kriegsgefahr soll man in Berlin nicht unterschätzen und auf die leichte Schulter nehmen." Nach Einschätzung westlicher Staaten hat Russland Zehntausende Soldaten nahe der Grenze zur Ukraine konzentriert. "Wie ein Hütchenspieler disloziert Putin immer mehr neue Einheiten und schwere Militärtechnik und betreibt ein höchst gefährliches Katz-und-Maus-Spiel", so Melnyk. Darüber hinaus mahnte der Diplomat die Bundesregierung, sich für einen zügigen Beitritt der Ukraine in die NATO und die EU stark zu machen. "Denn nur wenn die Ukraine zum untrennbaren Bestandteil des Nordatlantikpaktes wird, würde Putin für immer die Versuchung verlieren, uns anzugreifen." Mit Blick auf die in dieser Woche stattfinden Gespräche zwischen dem Westen und Russland sagte Melnyk: "Es wäre naiv zu glauben, dass die bevorstehenden Verhandlungen unserer westlichen Verbündeten mir Russland einen Durchbruch herbeiführen." Aus ukrainischer Sicht gäbe es einen Durchbruch nur, "wenn Putin gezwungen wäre, die seit fast acht Jahren andauernde Besetzung des Donbass und der Krim zu beenden und die Kriegsreparationen für den Wiederaufbau zu zahlen".

Der Botschafter verlangte vom Westen sofortige neue Sanktionen gegen Moskau. "Um einen neuen Einmarsch Russlands noch zu verhindern, müssten unsere Partner in Europa und den USA sehr harte vorbeugende Strafmaßnahmen gegen Moskau ergreifen, bevor Putin seine militärische Intervention ausweitet und nicht erst danach, wenn es zu spät ist. Das endgültige Aus für die Nord-Stream-2-Pipeline soll zu diesem Katalog gehören." Melnyk warnte vor einer "Appeasement-Politik gegen ein immer aggressiveres Russland". Dies sei "ein brandgefährlicher Irrweg, der Europa zu einer großen Katastrophe führen kann". Der Westen dürfe "keine faulen Kompromisse mit Russland auf Kosten der Ukrainer" machen. "Anstatt den Kremlherrn ständig zu hofieren, egal welche neue Verbrechen Moskau auf der Weltbühne begeht, soll Russland als Aussätziger behandelt und als Pariastaat international isoliert werden", so der Botschafter.