-

Steinmeier verleiht Bundesverdienstkreuz an Kulturschaffende

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verleiht den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Berlin (dpa/bb) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Bundesverdienstkreuze an Menschen verliehen, die sich während der Corona-Pandemie in besonderer Weise um Kunst und Kultur verdient gemacht hatten. «Die Pandemie hat uns bewusst gemacht, welche Bedeutung, welchen Wert Kunst und Kultur für uns haben - für das Leben jedes und jeder Einzelnen, aber auch für unsere Gesellschaft und unsere Demokratie», sagte Steinmeier bei der feierlichen Verleihung im Schloss Bellevue am Freitag. Das Bundespräsidialamt hatte die Verleihung des Ordens an den Künstler Tobias Morgenstern für seine Arbeit im Rahmen des brandenburgischen «Theater am Rand» zuvor abgesagt, wie eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur erklärte. Es seien «konkrete Hinweise» bekanntgeworden, dass Morgenstern der Querdenker-Szene angehöre. Bei mehreren Überprüfungsrunden sei die Verbindung zur Szene zunächst nicht wahrgenommen worden, sagte die Sprecherin. In seiner Rede bezog sich Steinmeier zwar nicht explizit auf den ausgeladenen Morgenstern, kritisierte die Querdenker-Szene jedoch als «Kult des Irrationalen».

Morgenstern sagte der Deutschen Presse-Agentur, das Büro des Bundespräsidalamtes habe ihm im Vorfeld mitgeteilt, dass die Absage mit seinen kritischen Äußerungen vor anderthalb Jahren zusammenhänge, unter anderem auf seiner Facbookseite. Die Absage des Preises nehme er gelassen. «Ich habe wenig ein Problem damit. Ich bin ein Mensch, der Auszeichnungen und Ehrungen dementsprechend nicht zu hoch einschätzt», sagte Morgenstern auf Anfrage. «Wir als Gesellschaft haben wahrscheinlich ein Problem im Moment, unterschiedliche, vor allem kritische Auffassungen zum Zeitgeschehen gelten zu lassen.»

Mit der Absage an Morgenstern fiel auch die Auszeichnung für seinen Theaterkollegen Thomas Rühmann aus. Der Bundespräsident wolle Rühmann das Bundesverdienstkreuz jedoch zu einem späteren Zeitpunkt verleihen, da ihn die Ausladung nicht betroffen habe, hieß es vom Bundespräsidialamt.

Einen Orden bekamen etwa die Veranstalterin Petra Schubert, die während der Pandemie klassische Konzerte für Seniorinnen und Senioren in Pflegeeinrichtungen organisierte. Auch die Leiterin der Bremer Shakespeare Company Renate Heitmann wurde geehrt, sie initiierte den «Bremer Kultursommer Summarum» im ersten Pandemiejahr. Darüber hinaus wurden auch der Schauspieler Burghart Klaußner («Der Staat gegen Fritz Bauer»), der tschechische Schriftsteller Jaroslav Rudiš («Winterbergs letzte Reise») oder der Fotograf Akinbode Akinbiyi mit einem Orden ausgezeichnet. Auch der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, erhielt für sein Engagement «gegen Vorurteile, Unwissenheit, Hass und Gewalt» auch im Rahmen des Themenjahres «1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland» einen Orden.

Die Corona-Krise habe alle, die für die Kultur arbeiten, «besonders hart getroffen», sagte Steinmeier. «Diese Ordensveranstaltung soll deshalb auch ein Zeichen sein: Wir dürfen nicht zulassen, dass einzelne Zweige unserer Kultur nach der Corona-Krise verdorren oder absterben.»