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Spontane Corona-Impfungen in Berlin mit starkem Zulauf

Eine lange Schlange bildet sich vor der Einfahrt zur Impfung an der Ikea-Filiale Lichtenberg. Foto: Fabian Sommer/dpa

Berlin (dpa/bb) - In Berlin hat am Wochenende der erste Drive-in für Corona-Impfungen zahlreiche Interessenten angelockt. Auf dem Parkplatz der Ikea-Filiale in der Landsberger Allee in Lichtenberg bildeten sich bereits am Samstagvormittag Warteschlangen. Dort konnten sich Menschen auch ohne Termin impfen lassen.

Das Interesse war so groß, dass schon gegen Mittag für Samstag bereits nicht mehr zur Impfung aufgerufen wurde. Gespritzt wurden am Samstag rund 650 Impfungen, Ziel sind 1000 pro Tag. Es müsse noch an der Infrastruktur gefeilt werden, sagte ein Sprecher des Bezirkes am Sonntag. Zur Verfügung standen die Vakzine von Johnson & Johnson sowie Moderna.

Neben einer Spur für Autofahrer wurde für Fußgänger auch ein Walk-in eingerichtet. Dieser war am Sonntag wegen erwartet hoher Temperaturen geschlossen, um Warteschlangen in praller Sonne zu vermeiden.

Zunächst ist das Angebot für sechs Wochen geplant - mit Option auf Verlängerung. Vor den Ikea-Filialen in Tempelhof und Spandau sind in den kommenden Wochen ähnliche Projekte geplant.

Auch die Berliner Verkehrsbetriebe BVG bieten seit Samstag Impfungen an. Nach Terminbuchung über Doctolib sollen bis zum 27. Juli Impfungen mit Biontech/Pfizer angeboten werden.

Da die Impfkampagne gegen Corona zuletzt etwas in Stocken geriet, will der Senat mehr kreative Angebote machen, um mehr Menschen zu erreichen. Dazu gehören auch kostenlose Impfungen mit mobilen Teams in den Kiezen wie am Freitag auf dem Hermannplatz in Neukölln.

Laut Corona-Lagebericht des Landes haben bislang 58,3 Prozent der Berliner Bevölkerung mindestens eine Impfung erhalten. 43,9 Prozent haben einen vollständigen Impfschutz (Stand 16.7.). Die Inzidenz lag am Wochenende über den Vortagen. Innerhalb von sieben Tagen wurden am Samstag 16 Ansteckungen je 100 000 Einwohner gemeldet, am Sonntag lag der Wert nach Zahlen des Robert Koch-Instituts bei 15,8.

Eine Wissenschaftlergruppe der Technischen Universität Berlin (TU) erwartet anhand von Modellierungen eine vierte Welle, die auch an Krankenhäusern nicht vorbeigeht. «Laut unseren Simulationen wird im Oktober ein exponentieller Anstieg bei den Krankenhauszahlen starten. Falls die derzeitige Entwicklung anhält, wird dies sogar früher beginnen und sich im Oktober dann nochmal verstärken», heißt es im neuen Bericht der Gruppe um den Mobilitätsforscher Kai Nagel an das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Den zuletzt bereits verzeichneten Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenzen wertet das Team wegen hohen relativen Zunahmen als «beunruhigend».

Berlins SPD-Vorsitzende Franziska Giffey hält einen neuen Lockdown auch im Falle steigender Corona-Zahlen nicht für das richtige Instrument. Planungssicherheit und Perspektiven seien ganz entscheidend für viele Branchen von der Wirtschaft über die Messebranche bis hin zur Kultur. «Das ist ein Weg, mit dem man absichern kann, dass wir es unabhängig von der Inzidenz schaffen, das normale Leben weitgehend aufrechtzuerhalten», sagte die Spitzenkandidatin ihrer Partei der Deutschen Presse-Agentur.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop warnte davor, Erfolge im Kampf gegen Corona leichtfertig aufs Spiel zu setzen. «Auf der jetzigen Impfquote dürfen wir uns nicht ausruhen. Die letzte Meile beim Impfen ist jetzt entscheidend», sagte die Grünen-Politikerin am Samstag.

© dpa-infocom, dpa:210717-99-418435/3

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