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SED-Opfer: Gesundheitliche Langzeitfolgen werden erforscht

Stasi-Akten sind im Stasi-Archiv in Berlin zu sehen. Foto: picture alliance / Stephanie Pilick/dpa

Magdeburg/Jena/Leipzig/Rostock (dpa) - Experten verschiedener Fachrichtungen untersuchen die gesundheitlichen Langzeitfolgen bei Opfern der SED-Diktatur. «Überwachung, Verhöre und Zersetzung, das alles wirkt bei Betroffenen auch 30 Jahre nach dem Ende der DDR noch nach, körperlich und seelisch», erklärte der Sprecher des Forschungsverbundes und Facharzt für Psychiatrie, Jörg Frommer, am Donnerstag in Magdeburg. «Betroffene erfahren immer noch oftmals zweites Unrecht durch unsachgemäße Diagnostik, Beratung, Behandlung, Begutachtung und Uninformiertheit aufseiten mancher Ansprechpartner.» An dem interdisziplinären Forschungszentrum, das nun im Juli seine Arbeit aufnimmt, sind Wissenschaftler der Universitätsmedizinen Magdeburg, Jena, Leipzig und Rostock beteiligt. Gefördert wird das Vorhaben mit 2,4 Millionen Euro aus Mitteln des Ost-Beauftragten der Bundesregierung, Marco Wanderwitz. Es ist auf drei Jahre angelegt.

Geplant sind zwölf Teilprojekte, die etwa Folgen von Zersetzungsmaßnahmen oder staatlichem Doping untersuchen. Es soll auch darum gehen, welchen Stigmatisierungen sich die Menschen aufgrund ihrer Erlebnisse ausgesetzt sehen. Der Blick richtet sich zudem auf Hilfesysteme und das soziale Umfeld der Betroffenen. Ziel ist, den Menschen künftig besser zu helfen. «Medizinisch geht es bei diesem Personenkreis häufig nicht nur um isolierte einzelne Gesundheitsschäden, sondern um komplexe Mehrfacherkrankungen mit inzwischen jahrzehntelangem Verlauf», erläuterte Frommer. Das Spektrum reiche von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen des Bewegungsapparats und Schmerzstörungen bis hin zu Krebserkrankungen. In den allermeisten Fällen seien diese kombiniert mit chronischen psychischen Folgestörungen.

 


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