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Praxen haben bei Impfungen Zulauf: Land plant Lockdown-Ende

Ein Abstrich für das Testverfahren auf das Coronavirus. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Potsdam (dpa/bb) - Die Zahl der Corona-Ansteckungen in Brandenburg geht seit Tagen immer weiter zurück - unter anderem auch, weil mehr Menschen ein Impfangebot wahrnehmen können. Allerdings gehen immer mehr Menschen lieber zu ihrem Hausarzt als in ein Impfzentrum, wie die Kassenärztliche Vereinigung (KVBB) beobachtet hat. Doch die Praxen bekommen nach wie vor zu wenig Impfdosen. Unterdessen will die Landesregierung wegen der positiven Entwicklung bei den Infektionszahlen einen weiteren Schritt Richtung Normalität gehen.

«Die Haus- und Facharztpraxen zeigen Woche für Woche, dass sie alle Impfdosen verimpfen, die sie erhalten. Würde mehr Impfstoff geliefert, dann könnten auch noch mehr Menschen in den Praxen geimpft werden», sagte KVBB-Sprecher Christian Wehry am Dienstag der dpa. Dagegen wurden seinen Angaben zufolge in den vergangenen Tagen nur wenige Termine für die Impfzentren gebucht.

Eine Vermutung sei, dass sich viele Menschen lieber in den Arztpraxen behandeln ließen oder dort schon auf Wartelisten stünden. Vor allem in den Impfzentren Kyritz (Ostprignitz-Ruppin) und Prenzlau (Uckermark) gebe es in dieser Woche weiterhin recht viele offene Termine. Aber auch in anderen Impfzentren seien noch Termine offen, zusätzlich seien weitere Termine zur Buchung eingestellt worden, so der Sprecher.

Was wird aus den Impfzentren? Nach Angaben des Impflogistik-Stabs stellt die KVBB spätestens ab 18. Juni die Erstimpfungen in allen Impfzentren ein, die nicht garantiert übernommen werden. Das Gesundheitsministerium hat nach eigenen Angaben an diesem Dienstag den Entwurf eines Mustervertrages an die Landkreise und kreisfreien Städte verschickt. Sie müssen nun entscheiden, ob sie die Zentren ab August von der KVBB übernehmen. Bislang haben nur Potsdam und der Landkreis Elbe-Elster öffentlich bekannt gegeben, dass sie auf eigene, kommunale Lösungen umsetzen wollen und die Zentren nicht übernehmen.

Seit Montag ist auch die Priorisierung der Impfreihenfolge in Brandenburg aufgehoben. Die Kassenärzte befürchten einen starken Andrang auch auf die Arztpraxen. Wehry hofft für die kommenden Wochen auf die zugesagten Mengen: «Ich glaube erst an den ausreichenden Impfstoff, wenn der Impfstoff wirklich im Land angekommen ist.»

In Brandenburg sind mittlerweile 1.079.407 Menschen das erste Mal gegen das Coronavirus geimpft worden - ein Anteil von 42,8 Prozent der Bevölkerung. 544.939 und damit 21,6 der Menschen im Land sind vollständig geimpft.

Aufgrund gesunkener Corona-Infektionszahlen will das Brandenburger Kabinett bereits kommenden Dienstag - eine Woche früher als geplant - über eine Umgangsverordnung entscheiden. Dank der guten Werte könne dieser Schritt früher gegangen werden, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Damit würde die bisherige Eindämmungsverordnung abgelöst. Dabei geht es um Hygienekonzepte und Testverpflichtungen. Die Verordnung soll zeitnah nach dem 15. Juni in Kraft treten. «Auch, wenn die Infektionszahlen sich gut entwickeln, ist bei dieser Pandemie aber weiter Vorsicht geboten», betonte der Ministerpräsident. Denn die Öffnungen sollen von Dauer sein.

Man könne nun weitere Schritte auf dem Weg zur Normalität gehen, sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). Maskenpflicht, Hygieneregeln und Testpflichten in bestimmten Situationen blieben auch weiterhin wichtig.

«Jetzt ist es Zeit, das Ende des Lockdowns zu wagen», sagte Innenminister Michael Stübgen (CDU) unter Hinweis auf stabil niedrige Inzidenzen. Die neue Umgangsverordnung folge dem Prinzip so viel Infektionsschutz wie nötig, aber so wenig Einschränkung wie möglich.

Bislang ist vorgesehen, dass Hygiene- und Abstandsregeln grundsätzlich bestehen bleiben sollen, die Maskenpflicht jedoch an Orten gelockert werden, wo Abstände eingehalten werden können. Die Zehn-Personen-Regelung zu privaten Treffen zu Hause soll zunächst auch im Tourismus und in der Gastronomie gelten.

Die Testpflicht für Veranstaltungen im Freien und für die Außengastronomie soll komplett entfallen. Die zulässige Teilnehmerzahl für Veranstaltungen soll sich künftig aus den Hygienekonzepten für den jeweiligen Veranstaltungsort ergeben. Als Obergrenze soll wieder die Zahl 1000 Gäste gelten. Die Maskenpflicht an Grundschulen und Horten soll vollständig entfallen.

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