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Präsenzpflicht und Tests: Schule beginnt mit Fragezeichen

Eine Maske liegt während des Unterrichts auf einem Federmäppchen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Berlin (dpa/bb) - In Berlin hat der Unterricht unter Pandemiebedingungen nach den Weihnachtsferien wieder begonnen. Tägliche Corona-Tests sind in der ersten Woche verpflichtend. Die Ankündigung der Bildungsverwaltung, es danach bei drei wöchentlichen Tests zu belassen, hat allerdings Kritik ausgelöst. Noch wichtiger ist die Frage, wie lange es angesichts der Ausbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante beim Präsenzunterricht bleibt, bei dem die Anwesenheit der Schülerinnen und Schüler in der Schule vorgeschrieben ist. Berlins neue Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) hat sich dafür ausgesprochen, so lange wie möglich daran festzuhalten.

Auch der Vorsitzende der Vereinigung der Oberstudiendirektorinnen und Oberstudiendirektoren des Landes Berlin (VOB), Arnd Niedermöller, findet es richtig, noch nicht zum Wechselunterricht überzugehen: «Dass wir in Präsenz starten, halte ich für sehr sinnvoll», sagte er am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Die Forderung, die Schulen offen zu halten, sei zuletzt von vielen Seiten immer wieder erhoben worden. «Stellen wir uns vor, die Politik hätte entschieden, wir würden im Wechselunterricht starten, dann wäre der Aufschrei sehr groß, dass man noch einkaufen und arbeiten gehen kann und bei den Schulen wird schon wieder zugemacht», sagte der Schulleiter. «Ich bin froh, dass wir erst einmal so starten.»

Vor Weihnachten sei das Infektionsgeschehen an den Schulen außerdem deutlich abgeflacht, sagte Niedermöller. «Wie es jetzt aussieht nach den Ferien, wird sich in der Woche zeigen.» Falls es notwendig werden sollte, sei das Umschwenken auf Wechselunterricht allerdings nicht ohne Aufwand möglich. «Jede Änderung des Systems beinhaltet auch eine zusätzliche Belastung.»

Ein Sprecher der Bildungsverwaltung teilte am Montagnachmittag mit, nach ersten Rückmeldungen habe es bei den Corona-Tests keine Ausreißer nach oben gegeben. «Nur in einzelnen Bezirken gab es etwas mehr Krankmeldungen oder einen leichten Anstieg bei den positiven Schnelltestungen.»

Bildungssenatorin Busse hat sich klar gegen Corona-Tests von Schülerinnen und Schülern zu Hause ausgesprochen: «Wir haben ja schon lange, dass die Kinder vor Ort getestet werden, weil möglicherweise das nicht in allen Elternhäusern so genau genommen wird», sagte Busse am Montag im RBB-Inforadio. «In der Schule ist das schon absolute Routine und vor dem Unterricht, und das wollen wir auch beibehalten.»

Geimpfte Kinder und Jugendliche sind von der Testpflicht in der Schule allerdings ausgenommen. «Es wird sehr empfohlen, dass auch geimpfte und genesene Schülerinnen und Schüler und auch die Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher sich in dieser ersten Woche täglich testen», sagte Busse. Sie gehe davon aus, dass 99 Prozent der Geimpften und Genesenen das auch tun werden. Es werde aber niemand «festgebunden und gezwungen».

Schulleiter Niedermöller findet die Ausweitung der Tests gut: «Fünf Mal wöchentlich testen trägt dazu bei, dass die Lage an den Schulen sicher ist, auch bei vollem Betrieb», sagte er. «Ich würde es auch begrüßen, wenn diese Testung noch eine Woche weitergeht», ergänzte der Schulleiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Berlin-Lichtenberg. Auch der Landeselternausschuss und die Gewerkschaft GEW in Berlin haben sich dafür ausgesprochen, die täglichen Tests nicht auf eine Woche zu begrenzen.

«Bis die Situation geklärt ist und wir verlässliche Zahlen haben, sollte man weiter täglich testen», sagte Landeselternausschuss-Vorsitzender Norman Heise am Montag. Heise bemängelte, die Bildungsverwaltung habe nach wie vor keinen Plan B für den Fall, dass die Infektionszahlen in den Schulen deutlich steigen sollten. Der Landeselternausschuss plädiert dafür, die Präsenzpflicht dann auszusetzen.

Wie lange Präsenzunterricht noch möglich erscheint, dürfte in der nahen Zukunft vermehrt für Diskussionen sorgen. Am Mittwoch wollen sich die Kultusminister und -ministerinnen der Länder in einer Videokonferenz darüber beraten. Der Berliner Hygienebeirat, der Empfehlungen für die Bildungsverwaltung abgibt, trifft sich am kommenden Montag das nächste Mal, um über diese Themen zu sprechen. Bis dahin dürften ausreichend Daten dazu vorliegen, wie viele Berliner Schülerinnen und Schüler infiziert aus den Ferien zurück in die Schule gekommen sind.

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