-

Pandemie verzögert Kunst-am-Bau-Projekte in Brandenburg

Eine der zwei Nachbildungen eines Teiles des Schlosses Sanssouci (l) ist zu sehen. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Potsdam (dpa/bb) - Die Corona-Pandemie hat in Brandenburg Kunst-am-Bau-Projekte verzögert. «Pandemiebedingt haben sich die geplanten Wettbewerbsverfahren deutlich in die Länge gezogen», sagt Ulrike Rehberg, Sprecherin des Landesbetriebs für Liegenschaften und Bauen (BLB), auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Jurysitzungen seien nicht möglich gewesen, Ausstellungen nicht umsetzbar. «Kunst am Bau» ist laut Ulrike Rehberg ein integrales Element der Baukultur in Brandenburg und Teil der Bauherrenaufgabe, die das Land wahrnimmt. Der Landesbetrieb lobe als Bauherr im Auftrag des Landes regelmäßig die Wettbewerbe aus. In den vergangenen 25 Jahren entstanden unter anderem die Rotkäppchen-Skulptur am Campus Griebnitzsee von der Bildhauergruppe «Inges Idee» oder «Die große Pforte» von Matthias Körner an der Technischen Hochschule Brandenburg/Havel.

In diesem Jahr wurde das Projekt für die künstlerische Gestaltung des Nordtorgebäudes und der Orangerie am Neuen Palais realisiert. «This is not a Thornbush.» (Dies ist kein Dornenbusch) heißt der Siegerentwurf von Eva Leitolf. «Für das Amtsgericht Königs Wusterhausen sowie das Amtsgericht Eberswalde sind kürzlich Wettbewerbe mit deutlicher zeitlicher Verzögerung aufgrund der Pandemie durchgeführt worden», so die Sprecherin.  Die vom Land investierten Mittel für die Projekte liegen mittlerweile jährlich bei gut 90.000 Euro. Sie seien in den vergangenen Jahren gestiegen, zum Teil wegen der gestiegenen Baukostenpreise, sagt Rehberg.

Auch die Stadt Frankfurt (Oder) nimmt nun deutlich mehr Geld in die Hand - 20.000 Euro statt bisher 14.500 Euro, wie Stadtsprecherin Kora Kutschbach sagt. Im Blick steht dabei nicht nur der Neubau, sondern besonders die Wiederaufstellung bereits vorhandener Kunst. Als aktuelles Beispiel nennt Kutschbach die Restaurierung und Wiederanbringung des «Kristallgitters/Sternenhimmel» von Fritz Kühn. «Das Kunstwerk ist eines der herausragenden Werke aus der DDR-Zeit und prägte das Stadtzentrum maßgeblich», sagt sie.

In Cottbus läuft aktuell der «Kunstwettbewerb Seeachse/Seevorstadt» an. Hier stehen eine Viertelmillion Euro für Planung und Bau zur Verfügung, wie Stadtsprecher Jan Gloßmann informiert. In Potsdam war die Stadt vor vier Jahren am «Kunst am Bau für das Bauvorhaben Sporthalle Motor Babelsberg» beteiligt. Der kommunale Immobilien Service hatte laut Stadtsprecher Markus Klier dafür 2018 rund 60.000 Euro investiert. Das Projekt sei aber bereits vor Beginn der Corona-Krise abgeschlossen gewesen.

«Wettbewerbe sind in den vergangenen anderthalb Jahren coronabedingt zum Teil verzögert worden», sagt die Geschäftsführerin des Landesverbands Bildender Künstler (BVBK), Petra Schmidt Dreyblatt. Jurysitzungen habe man von analoger Beteiligung auf digitale Formate umgestellt. Wenngleich der Verband den Einsatz des Landesbetriebes für transparente und verfahrensgerechte Ausschreibungen lobt, sei die Kenntnis und Kommunikation der Verfahren in einigen kommunalen Wettbewerben nicht zufriedenstellend, sagt sie.

Auch versuche der BVBK, mehr Künstler aus Brandenburg im Wettbewerb zu integrieren, ob als Teil der Jurys oder letztlich bei der Projektumsetzung. «Kunst am Bau wird nach unserer Auffassung trotz aller Fortschritte noch zu wenig ermöglicht», sagt Schmidt Dreyblatt. Der Verband wünsche sich deutlich mehr Angebote, damit Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum im öffentlichen Bewusstsein eine stärkere Wertschätzung erfahre. Beispiele für Kunst am Bau sind seit Jahren am Potsdamer Landtag im wieder aufgebauten Stadtschloss zu finden. Dazu gehören zwei Pavillons, die äußerlich an die Fassade von Schloss Sanssouci erinnern, von dem Künstler Florian Dombois.