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POTSDAM: Prozess um Entführung: aus Angst mit Mann mitgegangen

Die Statue Justizia. Foto: Peter Steffen/dpa/Archivbild

Potsdam (dpa/bb) - Im Prozess um die Entführung und den sexuellen Missbrauch einer Sechsjährigen hat das Mädchen ausgesagt, aus Angst vor dem Angeklagten mit in dessen Wohnung gegangen zu sein. Der 58-Jährige habe auf sein Messer gezeigt, das habe ihr Angst gemacht, sagte das Mädchen nach Angaben der Anwältin Manuela Krahl-Rhönisch am Donnerstag am Landgericht Potsdam. Die Öffentlichkeit wurde für die Vernehmung des Kindes von der Verhandlung ausgeschlossen. Krahl-Rhönisch ist die Anwältin der Familie des Mädchens.

Laut Anklage soll der 58-Jährige das Kind am 25. Mai 2019 in Potsdam entführt, mit nach Hause genommen und dort missbraucht haben. Er hatte vor Gericht eingeräumt, sich an dem Kind sexuell vergangen zu haben. Sein Verteidiger hatte seine Erklärung verlesen.

Wie die Anwältin sagte, sei die heute Siebenjährige damals auf dem Weg nach Hause gewesen, nachdem sie sich von ihrer Familie in einem Potsdamer Möbelhaus getrennt hatte. Von dem Möbelhaus ist es nur ein kurzer Weg bis zur Wohnung der Familie. In unmittelbarer Nachbarschaft wohnte auch der Angeklagte bis zu seiner Festnahme am 26. Mai 2019.

Der 58-Jährige soll dem Mädchen versprochen haben, es nach Hause zu bringen, deshalb sei es mitgegangen. Als die Sechsjährige nicht mehr wollte, habe er auf sein Messer gezeigt - ein kleines Messer, das er an einem Karabinerhaken befestigt an seiner Hose trug.

Am nächsten Tag, dem 26. Mai 2019, schaffte es das Kind, aus der Wohnung des Angeklagten zu fliehen. Der 58-Jährige habe noch geschlafen, als sich das Mädchen ganz leise angezogen habe, berichtete die Anwältin. Das Kind soll die Wohnungstür extra einen Spalt weit offen stehen gelassen haben, damit es die Polizei leicht hat. Wie Krahl-Rhönisch weiter sagte, wurde die Befragung des Mädchens mehrfach unterbrochen, weil es weinen musste. Auch der Vater wurde am Donnerstag vernommen. Nach Angaben der Familienanwältin kämpfte auch er mit den Tränen.

Am Vormittag hörte das Gericht weitere Zeugen. Eine Nachbarin des Angeklagten sagte, sie habe gesehen, dass der 58-Jährige mit einem kleinen Mädchen die Treppe zu seiner Wohnung hochgegangen und sich mit dem Kind in der Küche aufgehalten habe. «Mein Gott, wer gibt ihm denn das Kind mit», habe sie gedacht. Sie kannte den Angeklagten als Alkoholiker, der es manchmal nicht in seine Wohnung schaffte. Das Kind sei neben ihm gelaufen. Es habe so ausgesehen, als ob er das Mädchen kannte und sie freiwillig mitgelaufen sei.

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