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Öffentliche Klos in Berlin bald zum Teil kostenfrei

Öffentliche Klos in Berlin bald zum Teil kostenfrei. Symbolfoto: Monika Skolimowska/dpa

Wegen einer Vielzahl von Einbrüchen bei den Geldbehältern öffentlicher Toiletten in Berlin gehen Senat und Betreiber neue Wege. Ab dem 15. August sind 50 von 280 öffentlichen Klos der Firma Wall kostenlos zugänglich, wie die Senatsverwaltung für Umwelt und Verbraucherschutz am Montag mitteilte. Die übrigen 230 WCs können dann nur noch bargeldlos genutzt werden. Dafür kommen Kredit- oder Girokarte, Apple Pay und andere Bezahldienste oder die WC-App «Berliner Toilette» in Frage.

Der Versuch soll zunächst ein halbes Jahr dauern. Danach wird entschieden, welches Zugangskonzept künftig generell zum Tragen kommt. Wichtig für Menschen mit körperlicher Einschränkungen: Sie können in die auf bargeldlosen Betrieb umgestellten Anlagen weiterhin mittels Euroschlüssel hinein.

Die Linksfraktion im Abgeordnetenhaus kritisierte das Vorgehen. Mit der Einführung bargeldloser Bezahlsysteme werde ausgerechnet denjenigen der Zugang zu einem großen Teil der öffentlichen Toiletten verwehrt, die am häufigsten auf diese angewiesen seien: Ältere und Obdachlose. Während für ältere Menschen die Nutzung von Kartensystemen nach wie vor ungewohnt sei, verfügten Obdachlose nur sehr selten über Geldkarten, erklärten die Linke-Abgeordneten Katalin Gennburg und Kristian Ronneburg. Sie plädierten für eine generelle kostenlose Nutzung öffentlicher WCs.

In Berlin gibt es laut Umweltverwaltung momentan 433 öffentliche Toilettenanlagen, so viele wie nie zuvor. Die nun zur Rede stehenden 280 Klos sind relativ neu: Sie wurden von der Wall GmbH auf Grundlage eines Vertrages mit dem Senat zwischen 2018 und 2022 aufgestellt und werden von ihr auch betrieben. Ihre Benutzung war bisher komplett kostenpflichtig.

Allerdings hatte Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Grüne) schon vor einem Monat beklagt, dass die Geldbehälter der Anlagen «massenhaft aufgebrochen» würden, oft von Kleinkriminellen. Es sei nicht möglich, dies flächendeckend zu kontrollieren oder zu verhindern. Auch eine Reparatur betroffener WCs sei wirtschaftlich kaum zu bewerkstelligen. Vor diesem Hintergrund erfolgt nun der neuen Ansatz ohne Bargeld.

«Die Nutzung von Toiletten ist ein Grundbedürfnis, deshalb ist eine kostenfreie Bereitstellung öffentlicher Anlagen grundsätzlich wünschenswert», erklärte der Staatssekretär für Verbraucherschutz, Markus Kamrad, dazu. «Dazu bedarf es neben einer langfristigen Finanzierung über den Haushalt aber auch eines Nutzungsverhaltens, welches das ermöglicht. Wir erproben in den kommenden Monaten, welcher Weg gangbar ist.»

Was Kamrad mit Nutzungsverhalten meint: Kostenfrei zugängliche öffentliche Toiletten könnten stark verschmutzt sein oder Ziel von Vandalismus, oder Menschen ohne feste Bleibe könnten versuchen, sich dort länger aufzuhalten. Bei der Auswertung der Testphase sollen die Erfahrungen damit laut Senatsverwaltung genauso eine Rolle spielen wie Nutzerzahlen oder die Akzeptanz elektronischer Bezahlfunktionen. Auf dieser Basis könne dann entschieden werden, «ob eine kostenlose Nutzung aller Toilettenanlagen mit vertretbarem Aufwand möglich sein wird».

Nach den Worten von Geschäftsführer Patrick Möller hatten die Wall GmbH und die Senatsverwaltung für Umwelt und Verbraucherschutz in den vergangenen Wochen gute und konstruktive Gespräche, um die seit Dezember 2021 anhaltende Einbruchserie in den öffentlichen WCs zu stoppen und ihren Betrieb dauerhaft abzusichern. «Wir werden in der Erprobungsphase des bargeldlosen Betriebs die notwendigen Erkenntnisse sammeln und darauf basierend an einem dauerhaft erfolgreichen und qualitativ hochwertigen Betriebskonzept arbeiten, welches den Nutzern bestmöglichen Komfort bietet», versprach er.


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