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Notaufnahmen in Brandenburgs Kliniken melden sich bei Personalnot ab

Notaufnahmen in Brandenburgs Kliniken melden sich bei Personalnot ab. Symbolfoto. Patrick Pleul/dpa

Wenn Personalnot in den Notaufnahmen an Brandenburgs Kliniken herrscht, melden sich diese immer mal wieder ab. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Unsere Zentrale Notaufnahme war noch nie geschlossen, Abmeldungen kommen jedoch vor», sagt die Sprecherin des Klinikums Ernst von Bergmann in Potsdam, Theresa Decker. «Eine Abmeldung bedeutet, dem Rettungsdienst zu signalisieren, dass andere Krankenhäuser in regionaler Nähe präferiert angefahren werden sollen», erklärt sie.

Die Abmeldung sei ein «Drücken einer Pause-Taste» und immer zeitlich auf wenige Stunden limitiert. Lebensbedrohliche Erkrankungen wie Schlaganfälle, Herzinfarkte oder auch schwer verletzte Unfallopfer würden aber jederzeit aufgenommen und versorgt. Vor der Corona-Pandemie hatte das Klinikum Ernst von Bergmann jährlich rund 43.000 Patienten in der Notaufnahme versorgt. «Aktuell steigt die Zahl und ist wieder auf Vor-Corona Niveau», so die Sprecherin.

In seltenen Fällen melden sich auch die Notaufnahmen der KMG-Kliniken in Kyritz, Wittstock (beide Ostprignitz-Ruppin), Pritzwalk (Prignitz) und Luckenwalde (Teltow-Fläming) für maximal drei Stunden bei den Rettungskräften ab. «Das ist ein üblicher Vorgang», betont KMG-Sprecher Christian Meier. Über den Interdisziplinären-Versorgungsnachweis (IVENA) erhielten die Rettungsdienste in Echtzeit Informationen über die für die Verletzung oder Erkrankung erforderlichen vorhandenen Versorgungskapazitäten in den Krankenhäusern.

In der Notaufnahme des Carl-Thiem-Klinikums Cottbus arbeiten derzeit 32 Pflegekräfte, 7 Fachärzte und ein Chefarzt, wie Kliniksprecherin Anne Holzschuh berichtet. «In Pandemiezeiten ist auch mal nahezu die Hälfte des Personals ausgefallen und dann wurde es knapp», sagt sie. Vollständig schließen musste die Notaufnahme wegen Personalmangels aber bisher noch nie.

Maßgebliche Faktoren für eine Abmeldung sind laut Christian Meier kurzfristige krankheitsbedingte Personalausfälle bis zum Eintreffen einer Vertretung. Allerdings macht sich in den Kliniken auch der Fachkräftemangel bemerkbar. «Die Arbeitsdichte in einer Zentralen Notaufnahme ist sehr hoch», erklärt Theresa Decker. So beobachte ihr Klinikum die bundesweite Entwicklung, dass immer mehr Mitarbeiter eine Teilzeitarbeit bevorzugten oder in andere Bereiche des Gesundheitssystems wechselten.

Weitere Ausfälle durch Urlaub, Erkrankungen oder Quarantäne könnten vor dem Hintergrund notwendiger Fachkenntnisse meist nur durch Mitarbeiter des eigenen Teams ausgeglichen werden oder es werde versucht, durch Leasingpersonal gegenzusteuern.

Um diesen Ausfällen vorzubeugen, bemühen sich etwa die KMG-Kliniken, Fluktuation im Personal zu verhindern und gleichzeitig attraktiv für neue Mitarbeiter zu sein. Christian Meier sieht hier aber auch die Politik in der Pflicht. Vereinfachte Anerkennungsverfahren für ausländische Berufsabschlüsse, Aufenthaltstitel bis hin zu internationalen Ausbildungskooperationen wären seiner Ansicht nach die entscheidenden Stichworte.

Zur Entlastung seiner Notaufnahme, hat das Ernst von Bergmann Klinikum Ende August 2022 in Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg die «Notfallpraxis», eine gemeinsame Akut- und Notfallversorgung, eröffnet. «Hierbei sind eine ärztliche Bereitschaftspraxis und eine Hausarztpraxis zentrale Anlaufstelle für Notfallpatienten, die sich selbstständig im Klinikum vorstellen», erklärt Theresa Decker. Vor allem Menschen mit leichtgradigen Erkrankungen, die bisher die Hälfte aller Behandlungen in der Notaufnahme ausgemacht hätten, würden dort versorgt.


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