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«Mut für Rückkehr der Kultur»: Barenboim in Athen

Dirigent Daniel Barenboim. Foto: Thomas Banneyer/dpa/Archivbild

Athen (dpa) - Zum Auftakt ihrer ersten Konzerttournee seit Beginn der Pandemie sind die Staatskapelle Berlin und ihr Dirigent Daniel Barenboim am Mittwochabend in Athen frenetisch gefeiert worden. Sieben Minuten lang dauerte der Applaus. «Wir leben endlich wieder musikalisch», sagte Marina, eine 26-jährige Musikstudentin aus Athen der Deutschen Presse-Agentur. Zuschauer kommentierten nach dem Ende des Konzerts: «So haben wir das Publikum seit langem nicht mehr gesehen.»

Auf dem romantisch geprägten Programm standen die «Frühlingssinfonie» von Robert Schumann und die erste Sinfonie von Johannes Brahms. In einer Athener Zeitung war Barenboim als «Der König der Dirigenten in Athen» angekündigt worden. Die Megaron Concert Hall war ausverkauft. Coronabedingt konnten die fast 2000 Plätze aber nur zu 80 Prozent belegt werden. Nach dem Konzert in Athen sind Staatskapelle und Barenboim auch Gäste in Mailand, Genf, Madrid, Wien und Zürich.

Im Juni waren Orchester und Dirigent bereits in Paris. «Die drei Konzerte und die Reaktionen des Publikums haben gezeigt, wie sehr das Live-Erlebnis in den letzten Monaten gefehlt hat und wie dankbar das Publikum ist», sagte Barenboim der Deutschen Presse-Agentur zum Auftakt in Athen. «Jetzt sind wir die Ersten, die nach den langen Pandemiemonaten eine so umfangreiche Tournee machen, um ein Zeichen für die Kultur zu setzen.»

Barenboim verwies auf die Auswahl der Länder, in denen es nicht den gleichen politischen Rückhalt durch Subventionen gebe wie etwa in Deutschland. «Wir möchten damit Mut für die Rückkehr der Kultur machen. Jetzt haben wir mit dem Impfen einen wichtigen Schlüssel, um einen Schritt in Richtung Normalität zu gehen», sagte der 78-Jährige, der auch Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden ist. «Umso wichtiger ist es, dass wir jetzt für Kultur und Musik einstehen und alles dafür tun, um wieder in direkten Kontakt mit unserem Publikum zu treten. Die Energie, die dabei im Raum entsteht, dieser gemeinsame Schöpfungsprozess, bedeutet für die Staatskapelle und für mich natürlich alles.» Athen gelte als Wiege der Demokratie, der westlichen Philosophie, der Literatur und des Theaters. Er könne sich keinen symbolträchtigeren Ort für den Auftakt der Europatournee vorstellen, sagte Barenboim. «Musik bringt Menschen zusammen, schafft Beziehungen und solche Reisen sind für das Publikum und uns ein wichtiger kultureller Dialog. Es ist für uns eine Freunde und Ehre als Kulturbotschafter immer wieder eingeladen zu werden und damit die Musik, aber auch Berlin - weit über die Grenzen hinaus - repräsentieren zu dürfen.»

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