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Lesung und Film mit Blanche Kommerell - das „doppelte Rotkäppchen“ war zu Gast in Panketal

Blanche Kommerell und Sohn Sebastian (Foto: Thorsten Wirth, Kunstbrücke)

Auf Einladung des Kulturvereins „Kunstbrücke Panketal e.V.“ gastierte die Schauspielerin und Autorin Blanche Kommerell (u.a. „Rotkäppchen“, „Jakob, der Lügner“) gleich zweimal in Panketal. Am Donnerstag, den 23. September las die heute u.a. als Dozentin tätige Schauspiel-Legende im IB Mehrgenerationenhaus am Genfer Platz in Schwanebeck aus ihren Büchern und erzählte aus ihrem bewegten Leben. Ihre Gedichte und Alltagsskizzen, allesamt erschienen im Bernauer „Verlag Andrea Schröder“, setzen sich mit Liebe, Verlust, Tod und Vertrautheit auseinander. „Meine Texte handeln oft vom Reisen“, erklärt Kommerell, angetan mit der für sie typischen roten Strickmütze, vor lauschendem Publikum. „Allerdings reise ich oft an dieselben Orte. Ich möchte immer wieder die Bäume streicheln, die ich bereits gestreichelt habe.“ Und so hören wir mehrfach von Aufenthalten in Ahrenshoop, wo die Autorin jahrelang wiederkehrend mit ihrem Ehemann die Spätsommer verbrachte und den Ort sich verändern sah. Und von Hiddensee, jenes auto- und fast stressfreie Refugium in der Ostsee, welches in den letzten Jahren erst zu einer festen Größe im Leben der noch immer sehr aktiven Künstlerin wurde.

Im Verlauf des Abends kam es zu gleich mehreren interessanten Begegnungen zwischen der Künstlerin und Teilen des Publikums, das nicht nur wegen der Texte erschienen war. So überreichte z.B. eine Fotografin über 30 Jahre alte Fotos , die sie während eines Aufenthalts Kommerells von dieser auf Schloss Vipersdorf gemacht hatte und die der Autorin bis heute unbekannt waren. Passend musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Kommerells Sohn Sebastian, der als vielseitiger Künstler in die Fußstapfen seiner Mutter trat und als Maler, Musiker und Schauspieler aktiv ist. Wie sehr Mutter und Sohn verbunden sind, belegte Kommerell auch mit der Auswahl der Texte, von denen zwei aus der Feder ihres Sohnes stammten.

Am darauffolgenden Freitag ging es an gleichem Ort mit gleicher Künstlerin weiter: Der Verein Kunstbrücke Panketal e.V. präsentierte innerhalb der Reihe „Kino in Panketal“ den DEFA-Film „Rotkäppchen“ von 1962 nach dem gleichnamigen Märchen der Gebr. Grimm sowie nach Motiven des sowjetischen Dramatikers Jewgeni Schwarz. Theaterregisseur Götz Friedrich inszenierte das Märchen als künstlerisch überhöhte Parabel mit Blanche Kommerell, Helga Raumer, Horst Kube, Ernst-Georg Schwill, Jochen Bley u.a. Nach dem Film, der die großen und kleinen Zuschauer noch immer in seinen Bann zu ziehen vermochte, gab es Gelegenheit für einen Austausch mit der Schauspielerin, die ebenfalls wieder mit einer der für sie zum Markenzeichen avancierten roten Mützen erschienen war. Sehr gut erinnerte sich die damals gerade 11 Jahre junge Kommerell an das „Casting“ für die Rolle, an ihre Fahrten in der Limousine durch die im Verlaufe der Dreharbeiten geteilte Stadt Berlin zu den DEFA-Studios nach Babelsberg und an den überaus strengen Regisseuer Götz Friedrich, der an die Kinderdarsteller die gleichen hohen Ansprüche stellte wie an die erfahrenen Stars des DDR-Kinos.

„Es ist schön, diesen künstlerisch herausragenden Film heute wieder auf einer größeren Leinwand zu sehen“, freut sich die agile Frau im IB Mehrgenerationenhaus. „Allerdings fallen mir heute auch die politischen Botschaften des Films auf, der ja kurz nach dem Bau der Berliner Mauer in die Kinos kam. Der Wolf wurde nicht getötet, sondern „für immer eingesperrt“, während Rotkäppchens Vater, der Jäger, nach der Ergreifung des Bösewichts feststellt: „Jetzt ist wieder Frieden im Wald“. Und das Rotkäppchen, das nicht auf die Eltern hört, wird abschließend ermahnt, künftig nie mehr vom „rechten Weg abzugehen“. Das habe ich damals nicht so wahrgenommen. Ich war allerdings immer gern das aufmüpfige, das ungezogene Rotkäppchen und weniger das brave, angepasste. Das ist bis heute so geblieben.“ Statt Blumen gab es zum Abschied für das „Rotkäppchen“ einen Korb mit Kuchen und Wein und natürlich Beifall.

Ein Gastartikel ohne Homepage-Link von Kulturverein "Kunstbrücke Panketal e.V."


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