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Lehrerverbände fordern: Nur geimpfte Lehrkräfte an Schulen

Eine Spritze wird vor den Schriftzug «Impfung» gehalten. Foto: Friso Gentsch/dpa/Symbolbild

Berlin (dpa/bb) - Nach dem Willen von Lehrerverbänden sollten nach den Osterferien an Berlins Schulen nur noch gegen Corona geimpfte Lehrkräfte unterrichten. Zudem machten die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Deutsche Philologenverband am Mittwoch deutlich, dass sie beim Schulstart nächste Woche eine Fortführung des Präsenzunterrichts in der jetzigen Form wegen der dritten Corona- Welle für nicht mehr vertretbar halten. Der Senat berät am Donnerstag unter anderem über die Frage, wie es an den Schulen weitergehen soll.

«Präsenzangebote sollten nur von Kolleginnen und Kollegen durchgeführt werden, die ein Impfangebot wahrnehmen konnten und einen ausreichenden Immunschutz haben», sagte der Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Markus Hanisch, zwei Tage vor dem letzten Ferientag der Deutschen Presse-Agentur.

Allen Beschäftigten an den Schulen im Kontakt mit Kindern und Jugendlichen müsse schnellstmöglich ein Impfangebot unterbreitet werden, forderte er. Das betreffe neben Lehrern etwa Reinigungskräfte in der Tagesreinigung. «Ihnen sollen vorbehaltlich ärztlicher Freigabe auch Impfstoffe angeboten werden können, die nur für bestimmte Altersgruppen empfohlen sind», so Hanisch.

Für Ärger und Unverständnis unter den Lehrern sorgte laut GEW die Absage bereits vereinbarter Impftermine mit dem Vakzin von Astrazeneca. Auch die Vorsitzende des Philologenverbands Berlin/Brandenburg, Kathrin Wiencek, übte deshalb scharfe Kritik. Denn das Risiko, sich im Unterricht zu infizieren, habe sich durch die Virus-Mutationen und mehr Corona-Fälle gerade bei Jugendlichen signifikant erhöht. Wegen bestimmter Nebenwirkungen wird der Astrazeneca-Impfstoff aktuell nur für Menschen ab 60 empfohlen.

«Die Schulen können erst dann wieder in den Regelbetrieb übergehen, wenn die Beschäftigten sowie die Schülerinnen und Schüler ausreichenden Immunschutz haben», betonte Hanisch. Der Philologenverband geht noch einen Schritt weiter: Eine Rückkehr zum Präsenzunterricht, «welcher Art auch immer», sei nur nach Impfung der Lehrkräfte an den Gymnasien und Sekundarschulen sowie bei Gewährleistung einer Testpflicht mindestens zweimal in der Woche möglich, so Wiencek.

Momentan wird für die meisten Schüler Wechselunterricht in kleinen Gruppen angeboten - sie lernen also abwechselnd in der Schule oder zu Hause. Lediglich Schüler der Klassen sieben bis neun sind noch komplett zu Hause.

Die GEW fordert nun, dass die Schulen spätestens ab einer Inzidenz von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche zum Distanzlernen zurückkehren, also zum angeleiteten Lernen zu Hause. Die aktuelle Inzidenz in Berlin liegt deutlich über diesem Wert. Für Schüler mit besonderen Unterstützungsbedarfen oder Schwierigkeiten mit dem Distanzlernen müsse es aber mehr und flexiblere Präsenzangebote als bisher in den Schulen geben.

«Es muss eine Abkehr von dem starren Wechselmodell mit halber Stundentafel geben, damit nicht zu viele Schülerinnen und Schüler gleichzeitig in die Schulen kommen», erklärte der GEW-Landesvorsitzende Tom Erdmann. «Das Wechselmodell muss weiterentwickelt werden, so dass je nach Raum-, Personal- und Infektionslage auch nur ein Drittel oder Viertel der Lerngruppen vor Ort sein können.»

Wenn die Infektionslage es erlaube, sollten auch wieder Präsenzangebote auf freiwilliger Basis für jeden Schüler unterbreitet werden. «Zusätzlich kann es kreative Unterrichtsformen beziehungsweise pädagogische Angebote für alle Schülerinnen und Schüler in kleinen Gruppen geben, die den sozialen Aspekt und das psychosoziale Wohlbefinden in den Vordergrund stellen», so Erdmann. Dazu könnten auch Ausflüge gehören.

Zudem forderte die GEW den Senat auf, tägliche Corona-Tests für alle Anwesenden in der Schule ohne ausreichenden Immunschutz zu ermöglichen. Um die pandemiebedingt entstandenen Lernrückstände sowie die eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen abzufedern, sei ein längerfristiges Bildungsinvestitionsprogramm nötig. Teil eines solchen Programms müssten breite kostenfreie Angebote zur Lernförderung oder Nachhilfe sein sowie Ferienschulen für mindestens drei Jahre.

© dpa-infocom, dpa:210407-99-112661/4

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