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Lederer: Restitution von Kolonialobjekten kein Ablasshandel

Klaus Lederer (Die Linke), Kultursenator von Berlin, spricht. Foto: Fabian Sommer/dpa/Archivbild

Berlin (dpa) - Die Rückgabe von Kunstobjekten aus der Kolonialzeit an die Herkunftsgesellschaften darf aus Sicht von Berlins Kultursenator Klaus Lederer nicht zur «Frage eines Ablasshandels» werden. «Es geht nicht darum, mit großer symbolischer Geste einzelne ausgesuchte Sammlerstücke zurückzugeben und danach einen Haken an die Sache zu machen», sagte der Linke-Politker der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «2022 wird mit der Restitution eines Teils der Benin-Bronzen ein Meilenstein in diesem Prozess sein.» Es dürfe sich aber nicht in diesem Signal erschöpfen.

Etwa 1100 der kunstvollen Bronzen aus dem Palast des damaligen Königreichs Benin, das heute zu Nigeria gehört, sind in rund 20 deutschen Museen zu finden. Die Objekte stammen größtenteils aus den britischen Plünderungen des Jahres 1897. Ziel der Bundesregierung sind auch substanzielle Rückgaben in diesem Jahr, zunächst aus den fünf größten Beständen. Kulturstaatsministerin Claudia Roth will alle deutschen Museen mit solchen Objekten im Januar zusammenbringen.

«Wir müssen auch über postkoloniale, globale Beziehungen, ungerechten Welthandel, fortgesetzte Ausbeutung in der Gegenwart reden, die auch auf koloniale Wurzeln zurückzuführen sind», sagte Lederer. Es gehe um Migrationsbewegungen auf dem Globus, um Chancengerechtigkeit in der globalen Teilhabe an Ressourcen und Wohlstand. «Das ist für mich ein ganz zentrales Moment.»

Und weiter: «Die Debatte erfüllt nicht nur den Zweck, dafür zu sorgen, dass gestohlene oder unter heute mindestens rechtlich fragwürdigen Rahmenbedingungen erworbene, unrechtmäßig hier befindliche Kulturgegenstände in die Ursprungsgesellschaften kommen», sagte Lederer. «Es geht letztlich um die Grundfrage, wie wir aus heutiger Perspektive den Kolonialismus und die Rolle der Länder des Nordens als Mächte im kolonialen Konzert bewerten und wir über Schlussfolgerungen aus den nach wie vor existierenden Nachwirkungen dieser kolonialen Periode in der Gegenwart reden.»

Entscheidend sei nicht, wo welches Kulturgut sich zu welchem Zeitpunkt befinde, «sondern ob anerkannt wird, dass Kulturgüter aus anderen Kontexten hierher verbracht wurden unter Machtverhältnissen, die man als mindestens undemokratisch bezeichnen muss». Die Hoheit über die Zirkulation der Gegenstände müsse bei den Nachfolgenden der Gesellschaften liegen, denen diese Gegenstände entzogen worden seien. «Das bedeutet weder, dass die Depots hier leer gemacht werden und unsere Museen zukünftig leer stehen, noch, dass wir von heute auf morgen, ohne mit der Wimper zu zucken einfach alles nur zurück verschiffen», sagte der Kultursenator. Es gehe um einen zeitgemäßen Umgang mit den heutigen Ansprüchen.