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Lange Wartelisten: Schwimmlehrer holen Ausbildung nach

Zwei Schwimmflügel und ein Schwimmbrett liegen auf einem Startblock. Foto: David Inderlied/dpa/Symbolbild

Potsdam (dpa/bb) - Brandenburgs Schwimmlehrer und und ihre Schüler haben wegen der Corona-Pandemie einiges aufzuholen. Wegen geschlossener Schwimmhallen und weiterer Corona-Beschränkungen konnten im Land Tausende Ausbildungsstunden nicht stattfinden. So konnte allein die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Brandenburg 2020 mit insgesamt nur 4588 Kursstunden über 70 Prozent weniger als im Jahr zuvor anbieten. «Dabei wurden 422 Schwimmer ausgebildet und angelernt, während es im letzten Vor-Coronajahr 2019 noch 1417 waren», berichtete DLRG-Landesverbandssprecher Daniel Keip. Die Zahl der geprüften Seepferdchen-Schwimmabzeichen habe sich gleichzeitig um 52,3 Prozent von 547 auf 260 verringert.

Zwar habe sich die Zahl der Badetoten in Brandenburg 2020 mit nur noch 24 um 10 gegenüber 2019 verringert. Problematisch ist aus Sicht des DLRG-Sprechers jedoch, dass auch die Ausbildung von Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmern in der Krise gelitten habe. Wurden 2019 noch 740 in knapp 7100 Stunden ausgebildet, waren es 2020 nur 315 Teilnehmer und damit 57,4 Prozent weniger in nur noch 3 495 Ausbildungsstunden. «Wir sind aber froh, dass seit dem 12. Mai wieder die Ausbildung von Rettungsschwimmern möglich ist», so Keip.

Im Zuge der Krise hatten sich zudem hauptberufliche Schwimmlehrerinnen und Schwimmlehrer beruflich umorientieren müssen. «Mir sind Fälle bekannt, da haben die Kollegen bereits umgeschult, sind zur Stadt als Rettungsschwimmer oder in den Sicherheitsdienst gegangen», berichtete Alexander Gallitz, Präsident des Deutschen Schwimmlehrerverbands (DSLV). Bei den Bademeisterinnen und Bademeistern sehe es besser aus, sie seien von ihren Arbeitgebern oft in Kurzarbeit geschickt worden.

«Die Zahl der Nichtschwimmer hat sich aufgrund der langen Schließzeiten der Schwimmhallen definitiv erhöht», sagte die Geschäftsführerin des Landesschwimmverbands (LSV), Maren Nagel, ohne jedoch konkrete Zahlen nennen zu können. Mindestens genauso große Sorgen bereiteten dem Verband auch die Kinder, die noch vor der Corona-Pandemie ihr Schwimmabzeichen gemacht haben, denen aber jetzt jegliche Praxis und Sicherheit fehle. «Hier möchten wir besonders an die Eltern, aber auch an die Schulen appellieren, diesen Kindern besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.»

Um Verpasstes aufzuholen, legen die Brandenburger jetzt den Turbo ein. Laut Nagel hat das Potsdamer Sportministerium in den vergangenen Wochen ein Förderprogramm für die Sommerferien auf den Weg gebracht. «Damit sollen Defizite ausgeglichen werden, die bei den Kindern aufgrund der Corona-Pandemie entstanden sind, hierzu zählt auch die Schwimmausbildung», informierte die LSV-Geschäftsführerin. Nun werde in vielen Vereinen an der schnellen Umsetzung gearbeitet.

Die Wartelisten sind lang, allein bei den Ortsgruppen der DLRG liegen sie mitunter im vierstelligen Bereich. «Wer heute anruft, bekommt teilweise mit viel Glück einen Kurs Anfang 2022», sagte Gallitz. DLRG und LSV wollen hingegen im Sommer kostenfreie Schwimmkurse für bis zu 3000 Kinder zusätzlich anbieten. Laut Keip ist im Lehrplan vorgesehen, dass Schülerinnen und Schüler in der Grundschule mindestens 40 Schulstunden Schwimmunterricht haben - diese nun nachzuholen sei die große Herausforderung.

«Eine wichtige Rolle kommt an der Stelle den Schulen zu, die mit ihren Horten eine Kooperation mit den ortsansässigen Vereinen eingehen müssen, damit die Kinder das Programm nutzen können», sagte Nagel. Außerdem benötige man die Bereitschaft der Kommunen und Badbetreiber, Wasserfläche in ihren Bädern für die Schwimmausbildung zur Verfügung zu stellen. Wenige Chancen, alles rasch aufzuholen, sieht hingegen DSLV-Präsident Gallitz: «Vieles scheitert an der Bürokratie und leider auch an der teilweisen Arroganz der Kollegen.»

© dpa-infocom, dpa:210626-99-150644/3

 


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