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Konzentration der Kräfte im neuen Anti-Terror-Zentrum

Blick während einer Pressekonferenz ins Innere des neuen Berliner Anti-Terrorzentrums in der Ringbahnstraße. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Berlin (dpa/bb) - Im Kampf gegen den Terrorismus baut Berlin seine Bemühungen um die Innere Sicherheit aus. Die Hauptstadt bekommt ein Anti-Terror-Zentrum für 1200 Beschäftigte. Innensenator Andreas Geisel (SPD) übergab am Montag die beiden ersten Abschnitte des sanierten und denkmalgeschützten Gebäudes an die Polizei. Die neue Einrichtung mit 400 Räumen ist eine Konsequenz aus dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz im Dezember 2016. Damals wurden insgesamt zwölf Menschen getötet. Zudem traten etliche Versäumnisse der Behörden zutage.

Geschaffen werde eine zentrale Infrastruktur im Kampf gegen Terrorismus und Schwerstkriminalität, sagte der Innensenator. Die neue Einrichtung gehöre zu einem millionenschweren Sicherheitspaket, das Berlin nach dem islamistischen Anschlag auf den Weg gebracht habe. «Die Arbeit unter optimierten Bedingungen im Anti-Terror-Zentrum wird Leben schützen», versprach der SPD-Politiker.

Geisel sprach von einem Meilenstein. Das neue Haus werde ein Zentrum der kurzen Wege für Menschen und Akten. Derzeit seien die Spezialisten noch an verschiedenen Standorten untergebracht. Nach dem Terroranschlag sei das Personal beim polizeilichen Staatsschutz auf nun etwa 580 Beschäftigte verdoppelt worden. Auch sie bekämen bessere Bedingungen.

Die ersten 200 Beschäftigten des Landeskriminalamtes sollen in dem früheren Reichspostzentralamt an der Ringbahnstraße in Tempelhof bis Ende des Jahres mit der Arbeit beginnen. Jetzt wird noch spezielle Technik eingebaut. Einige Fenster sind mit schusssicheren Scheiben ausgestattet. Im Sommer 2022 soll der Umzug fertig sein. Die Kosten werden auf 47 Millionen Euro veranschlagt.

Berlin hat das mehr als 90 Jahre alte Gebäude für zunächst 15 Jahre gemietet - mit der Option auf weitere 20 Jahre. «Das ist kein halbherziger Kompromiss für wenige Jahre», zeigte sich der Senator zufrieden. Betont wurde die gute Zusammenarbeit mit dem landeseigenen Immobiliendienstleister BIM bei Standortsuche und -entwicklung.

Neben dem Staatsschutz sollen Spezialeinsatzkräfte und Operative Dienste der Polizei wie Personenschutz, Fahndung und Aufklärung künftig enger zusammenarbeiten, Informationsverluste minimieren und schneller agieren können. Wissen und Erfahrung aus verschiedenen Dienststellen sollen gebündelt und genutzt werden. Auch die zentrale Lage und die Nähe zur Autobahn seien entscheidend, hieß es.

Polizeipräsidentin Barbara Slowik sagte, die Gefahr von Terroranschlägen sei gegenwärtig. Die Sicherheitsbehörden hätten die Lehren aus dem Anschlag gezogen. Es sei gelungen, die Polizei zu stärken. Das Anti-Terror-Zentrum sei bundesweit einzigartig.

Neu gebaut werden soll noch ein Gebäude mit Sporträumen, Hörsaal und Flächen für Spezialfahrzeuge. Über einen unterirdischen Gang sollen die Spezialkräfte geschützt ins Hauptgebäude kommen. Das Areal soll von einem blickdichten Zaun umgeben sein.

Bei dem Anschlag hatte ein abgelehnter Asylbewerber und Drogendealer aus Tunesien am 19. Dezember 2016 zunächst einen Lastwagenfahrer erschossen. Er raste dann mit dessen Fahrzeug über den Weihnachtsmarkt, wo er elf weitere Menschen tötete. Der Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) floh nach Italien. Dort wurde er bei einer Kontrolle von der Polizei erschossen.

© dpa-infocom, dpa:210719-99-436470/3


 
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